Brüssel - Zur Überwindung der schweren Regierungskrise in Belgien sind mehrere Szenarien möglich. In den belgischen Medien wurden am Samstag vor allem folgende Möglichkeiten genannt:

  • Yves Leterme bleibt: Der christdemokratische Premierminister hatte am Freitagabend bei König Albert II. den Rücktritt der gesamten Regierung eingereicht. Der Souverän könnte sich entscheiden, das Gesuch nicht anzunehmen. Die Fünf-Parteien-Koalition würde weiterregieren.
  • Regierungsumbildung: Der König nimmt das Rücktrittsgesuch an. Er könnte einen erfahrenen Spitzenpolitiker bitten, eine neue Mannschaft zu bilden. Im Gespräch für den Posten des Regierungschefs sind unter anderen der frühere Amtsinhaber Jean-Luc Dehaene (der im Land gerne der "Minenräumer" genannt wird), Parlamentspräsident Herman Van Rompuy oder Letermes Amtsvorgänger Guy Verhofstadt. Dehaene und Van Rompuy sind flämische Christdemokraten, Verhofstadt gehört den flämischen Liberalen an.
  • Neuwahlen: Der Monarch könnte nach langen Beratungen zu dem Schluss kommen, dass die Krise zu ernst ist. Bei Fehlen eines Vorschlages aus dem Königspalast hätte das Parlament keine andere Möglichkeit als sich aufzulösen. Nach den Regeln der Verfassung müsste es dann innerhalb von 40 Tagen Neuwahlen geben, also wahrscheinlich im Februar. Diese Möglichkeit wird von vielen gefürchtet, denn für den 7. Juni sind bereits Regional- und Europawahlen angesetzt. Das Land würde sich in einem Dauerwahlkampf befinden. (APA/dpa)