Ramsau am Dachstein - Den ÖSV-Kombinierern bleibt der Sonntag-Bewerb in Ramsau am Dachstein als letzte Chance, vor Weihnachten den erhofften Weltcup-Podestplatz zu erreichen. Am Samstag waren im WM-Ort von 1999 Willi Denifl und Mario Stecher aber auch mit den Plätzen vier bzw. fünf zufrieden. Der Tiroler Denifl verpasste als bester Springer den dritten Rang nach dem 10-km-Langlauf um 7,5 Sekunden, der US-Amerikaner Bill Demong sicherte sich 28,3 Sekunden vor dem Deutschen Björn Kircheisen seinen ersten Saisonsieg, den vierten seiner Karriere.

Denifl hatte im Springen zum fünften Mal in seiner Karriere die Bestnote erhalten und musste in der Loipe nach der ersten Runde die Überlegenheit von Verfolger Demong anerkennen. "Ich musste abreißen lassen und dann war es nur mehr hart. Ich habe alles gegeben und bin froh, dass ich den vierten Platz ins Ziel gebracht habe", sagte der 28-jährige Stubaitaler, der seine bisher beste Weltcup-Platzierung von Trondheim einstellte. Er hatte vor dem Langlauf schon damit gerechnet, dass sich hinter ihm eine Gruppe bilden und ihn einholen würde.

Dass sich unter diesen starken Läufern auch Mario Stecher befinden würde, das hatte nicht einmal der Steirer selbst erwartet. Mehr als hundert Tage nach einer schweren Knieverletzung meldete sich der Vize-Weltmeister von Ramsau 1999 gleich mit einen Spitzenplatz zurück. "Ein schönes Erlebnis, ein lässiges Gefühl", sagte der 31-jährige Gewinner des Sommer-GP, der erst seit einer Woche wieder von Schanzen springt und erst 24 Sprünge absolviert hat. "In der dritten Runde habe ich Lunte gerochen und bin noch herangekommen."

ÖSV-Cheftrainer Alexander Diess lobte Stecher für sein "sensationelles Rennen" und war nach dem 50. Weltcup-Bewerb des WSV Ramsau insgesamt zufrieden. "Unser Team hat irrsinnig großes Potenzial, heute haben alle auch in der Loipe Stärke gezeigt. Wir müssen geduldig bleiben", sagte der Coach. "Wenn man länger auf den Podestplatz warten muss, freut man sich dann umso mehr. Es wäre schön, wenn es am Sonntag klappt."

Bei enorm schwierigen Bedingungen - wechselndem Wind im Springen und starkem Schneefall im Langlauf - hatten u.a. die drei bisherigen Saisonsieger ihre Chancen schon auf der Schanze vergeben. Weltcup-Spitzenreiter Anssi Koivuranta (FIN) belegte nur Rang 18, behielt aber das Gelbe Trikot, Magnus Moan (NOR) lief von Rang 43 mit Bestzeit immerhin noch an die 16. Stelle und Ronny Ackermann (GER) trat zum Langlauf gar nicht mehr an.

Der Sprungbewerb hatte sich wegen des wechselnden Windes in die Länge gezogen, die Besten erwischten dann auch sehr schlechte Bedingungen. "Es ist teilweise unverständlich, dass das durchgedrückt wurde", kritisierte der Tiroler Christoph Bieler nach Rang 14, unmittelbar hinter dem Kärntner Tomaz Druml. Er war nur 15. nach dem Springen gewesen. Wäre der provisorische Wettkampf-Durchgang zur Anwendung gekommen, hätte Bieler als Sechster in den Langlauf starten dürfen. Diess hätte es für besser gehalten, den Windkorridor (Minimal- bzw. Maximalwert, bei dem gesprungen werden darf) etwas größer anzusetzen und dadurch den Wettkampf rascher durchzuziehen.

Demong verdankte seinen Sieg der Absage der Konkurrenz vergangene Woche in Liberec. Denn wäre die WM-Generalprobe wie geplant über die Bühne gegangen, hätte das US-Team auf ein Antreten in Ramsau kurz vor Weihnachten verzichtet. Kircheisen wurde wie zuletzt in Trondheim Zweiter und Jan Schmid holte seinen ersten Podestplatz. Er war zuvor für die Schweiz angetreten, als Doppel-Staatsbürger aber nach Norwegen gewechselt, wo er nun auch Erfolge einfährt. (APA)

 

Ergebnisse vom Weltcup der Nordischen Kombinierer am Samstag in der Ramsau: 1. Bill Demong (USA) 25:59,4 (2. im Springen/23. im Langlauf) - 2. Björn Kircheisen (GER) +28,3 Sek. (6./4.) - 3. Jan Schmid (NOR) 37,3 (8./6.) - 4. Willi Denifl (AUT) 44,8 (1./38.) - 5. Mario Stecher (AUT) 45,4 (9./9.) - 6. Pavel Churavy (CZE) 46,1 (5./26.) - 7. Eric Frenzel (GER) 53,7 (14./5.) - 8. Havard Klemetsen (NOR) 59,3 (12./14.) - 9. Petter Tande (NOR) 59,7 (17./7.) und Sebastien Lacroix (FRA) 59,7 (6./19.). Weiter: 13. Tomaz Druml (AUT) 1:14,2 (19./11.) - 14. Christoph Bieler (AUT) 1:20,8 (14./18.) - 27. Bernhard Gruber (AUT) 2:11,5 (32./21.) - 32. David Zauner (AUT) 2:32,2 (4./43.) - 34. Lukas Klapfer (AUT) 2:53,6 (34./32.) - 41. Benjamin Kreiner (AUT) 3:50,5 (45./34.)

Weltcupstand nach 5 Bewerben: 1. Anssi Koivuranta (FIN) 333 - 2. Magnus Moan (NOR) 211 - 3. Demong 210 - 4. Kircheisen 199 - 5. Denifl 196 - 6. Ronny Ackermann (GER) 193 - 7. Janne Ryynänen (FIN) 185 8. Jason Lamy Chappuis (FRA) 183 - 9. Frenzel 143 - 10. Churavy 135. Weiter: 13. Bieler 108 - 16. Gruber 74 - 20. D. Kreiner 62 - 21. Klapfer 59 - 27. Stecher 45 - 34. Druml 20 - 41. Zauner 9 Nationencup: 1. Deutschland 800 - 2. Österreich 573 - 3. Finnland 561 - 4. Norwegen 487 - 5. Frankreich 313 - 6. Japan USA 296 - 7. Japan 264 - 8. Tschechien 235 - 9. Schweiz 31 - 10. Italien 15 - 11. Slowenien 9 - 12. Russland 6