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Prominente Opferliste: Die Lappin-Stiftung, Steven Spielberg, Jaques Rogge (IOC), die New York Mets, Elie Wiesel, das MIT (im Uhrzeigersinn links unten beginnend) und viele andere haben Gelder bei Bernard Madoff (im Zentrum) investiert.

Foto: AP (3), EPA (2), Reuters Montage:Friesenbichler

New York / Wien - Die Blutspur, die der einstige Investment-Guru Bernard Madoff durch die internationale Finanzwelt zieht, wird immer länger. Neben betuchten Anlegern, Hedge- und Investmentfonds trifft der 50 Milliarden Dollar schwere Betrugsfalls immer mehr gemeinnützige Organisationen, die ihre Spendengelder dem Investor anvertraut hatten. Viele von ihnen stehen am Rande des Abgrundes - oder sind schon gefallen.

Stiftung schließt Türen

Zuletzt kündigte die Picower-Stiftung ihre bevorstehende Schließung an. Zuwendungen würden ab sofort eingestellt. In den kommenden Monaten werde dann die gesamte Stiftung "ihre Türen schließen" . Barbara Picower hatte die Stiftung 1989 gemeinsam mit ihrem Mann Jeffry gegründet. Der Betrugsfall habe verheerende Auswirkungen auf zehntausende Menschen und zahlreiche wohltätige und gemeinnützige Organisationen, erklärte sie. Die Picower-Stiftung unterstützte Einrichtungen wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT), Human Rights First und die Öffentliche Bibliothek von New York mit
Millionenbeträgen. Zuwendungen erhielt auch die Diabetes-Forschung der Universität Harvard.
Das Vermögen der Stiftung wurde von Madoff verwaltet. In der Steuererklärung von 2007 wurde der Kapitalanlagebestand mit fast einer Milliarde Dollar (720 Millionen Euro) angegeben.
Picower ist die erste große gemeinnützige Einrichtung, deren Aus besiegelt ist. Zuvor musste bereits die JEHT Foundation ihre Pforten schließen, die Justiz- und Jugend-Reintegrationsprojekte unterstützt. Ihre größten Geldgeber, Jeanne und Kenneth Levy-Church, hatten große Vermögen bei Madoff veranlagte und mussten jetzt ihre Zuwendungen stoppen.
Auch die israelische Chais Family Foundation gab auf. Sie unterstützte jüdische Familien insbesondere in Israel und Russland jährlich mit 12,5 Millionen Dollar. "Das gesamte Geld wurde von Madoff verwaltet" , erklärte Chais-Präsident Abraham Infeld. Ebenfalls in Schieflage geriet die Robert I. Lappin Foundation in Salem, Massachusetts, die Reisen jüdischer Jugendlicher nach Israel finanzierte.

Bis zur Hälfte investiert

Andere Hilfsorganisationen sind wiederum indirekt vom Skandal tangiert, weil ihre Geldgeber vom Madoff-Betrug betroffen sind. Zu ihnen zählen Carl und Ruth Shapiro, die zu den größten Sponsoren des Museum of Fine Arts in Boston, der Brandeis University und des Beth Israel Deaconess Medical Centers zählen. Der legendäre Mode-Unternehmer Shapiro erklärte, das Vermögen seiner Foundation im Volumen von 345 Mio. Dollar sei fast zur Hälfte bei Madoff veranlagt gewesen. Der 95-jährige Shapiro war es auch, der den aufgeflogenen Investor im feinen Palm Beach Country Club einführte, wo Madoff einen unerschöpflichen Absatzkanal für seine Produkte vorfand. Dort steht auch die neun Millionen Dollar teure Villa des einstigen Börsentycoons.

Olympisches Investment

Weitere prominente Spender, die Geld im Schneeballsystem verloren, sind Steven Spielberg und sein Geschäftspartner Jeffrey Katzenberg. Die Elie Wiesel Foundation for Humanity hat ebenfalls hohe Verluste erlitten. Die Stiftung des Nobelpreisträgers spricht von 15 Mio. Dollar, die bei Madoff investiert worden seien.
Am Wochenende wurde bekannt, dass auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu den geprellten Anlegern zählt. Es könnte bis zu fünf Millionen Dollar (3,59 Mio. Euro) beim Hedgefonds-Skandal verloren haben. Gemäß des Vorsitzenden der Finanzkommission des IOC, Richard Carrion, sei das IOC mit ungefähr 4,8 Mio. Dollar an Hedgefonds beteiligt gewesen, die wiederum in Madoffs Schneeballsystem investiert hatten. Die Auswirkungen auf den IOC-Finanzhaushalt seien jedoch begrenzt, hieß es aus der Organisation.
Viel dürfte dennoch nicht zurückfließen. Von Madoffs 50 Mrd. Dollar sollen nur rund 300 Millionen übriggeblieben sein. (as, Reuters, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 22.12.2008)