192 Euro kostet es in Wien, einmal das Auto abschleppen zu lassen - plus sieben Euro Standgebühr pro Tag.

Foto: Christian Fischer

In der Weihnachtszeit pfeifen Wiener Autofahrer gern auf alle Parkverbote. Die Polizei greift gegen Parksünder sogar zum Maßband.

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Wien - Eine ungewöhnlich hohe Anzahl defekter Autos steht am letzten Adventsamstag in der Wiener Innenstadt. Interessanterweise befinden sich die Wagen mit der eingeschalteten Warnblinkanlage alle an Stellen, an denen Parken verboten ist. "Kann ich Ihnen den ARBÖ rufen?", bietet Gruppeninspektor S. von der Wiener Polizei einer jungen Frau an, die neben ihrem blinkenden Auto in einer Sackgasse wartet. Im absoluten Halteverbot.

Sie sei gerade dabei, ihr Büro auszuräumen, entschuldigt sie sich, eine weitere Frau kommt tatsächlich mit Kisten durch den Nieselregen gestapft. Das Duo bekommt nur eine Abmahnung. Und den freundlichen Hinweis, dass sie eineinhalb Meter entfernt legal parken können.

Die "Sondergruppe" des Verkehrsreferates Innere Stadt von Leiter Wolfgang Lang ist nicht immer so kulant. Um die 550 Fahrzeuge wurden an den vier Adventsamstagen von Wiens Straßen abgeschleppt und auf den großen Abstellplatz nach Simmering verfrachtet - fast dreimal so viele wie an normalen Samstagen. "Zu diesem Mittel greifen wir nur, wenn Gefahr im Verzug ist, also der Verkehr behindert wird oder Einfahrten verparkt sind", erklärt Lang. Andernfalls gibt es eine Anzeige, oder eine Abmahnung wie für jenen Porschefahrer, der in der Rotenturmstraße mitten auf dem Zebrastreifen parkt.

Geschlechterunterschiede gibt es bei Tatbegehung und Beschimpfungen nicht. "Wir sind immer die ,böse Polizei', die ,nix Besseres zu tun hat' und nur unfair ist", stellt Lang nüchtern fest. Um Diskussionen abzukürzen, haben die Streifen mittlerweile ein Maßband mit - so kann den Lenkern demonstriert werden, dass durch ihren Parkplatz die Mindestbreite der Fahrbahn von 2,5 Metern unterschritten wird.

Hinter Panzerglas

Dann wird fast sicher abgeschleppt, die Autos und anschließend ihre Besitzer landen im Reich von Christian Jurkovits, dem Leiter der Abschleppgruppe der Magistratsabteilung 48. Rund 900 Stellplätze gibt es im Schatten der Ostautobahn, zwei Drittel seien derzeit voll, erzählt der Beamte. Und beteuert, die Stadt verdiene nichts an den 192 Euro Abschlepp- plus sieben Euro pro Tag Standgebühr.

Deren Bezahlung ist nicht immer ganz einfach. "Das ist doch eine Frotzelei! Schalter eins ist geschlossen und ein Schild verweist zu Schalter zwei - und dort ist auch zu und man wird zu Schalter eins verwiesen", schnaubt ein junger blonder Mann. Gruppenleiter Jurkovits verschwindet, um diesen Missstand zu beheben.

Zwei Frauen, die an diesem Samstagnachmittag erstmals vor den Panzerglasscheiben der beiden Gebühreneinheber erscheinen, sind ruhiger. Und konzedieren, dass die Abschleppung gerechtfertigt war. Anders Siegfried Spiessberger aus Oberösterreich: "Ich habe 15 Minuten lang den Schilderwald hinter der Peterskirche in der Innenstadt studiert. Und bin zum Schluss gekommen, dass man hier parken darf." Gefallen lässt er sich den "totalen Nepp", für den er sich eigens an den südlichen Stadtrand begeben musste, nicht - seine neben ihm stehende Frau ist Juristin, die beiden werden Einspruch erheben.

Die Polizisten in der City lassen sich davon eher nicht aus der Ruhe bringen. Sie mahnen ab und lassen abschleppen - ohne Unterschied. "Unlängst hat es einen Kollegen erwischt. Der war neu im Bezirk und hat sich mit seinem Wagen auf den für die Polizeifahrzeuge reservierten Parkplatz gestellt um sich beim Kommandanten vorzustellen. Als er zurückkam, war sein Auto weg", erzählt Verkehrsreferatsleiter Lang. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 22. Dezember 2008)