Freenet-Chef Eckhard Spoerr hat nach langen Querelen mit den Anteilseignern des Mobilfunkunternehmens das Handtuch geworfen. Spoerr verlasse das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum 23. Januar, teilte Freenet am Montagabend mit. Die Börse reagierte am Dienstag euphorisch: Freenet-Aktien schossen um bis zu ein Fünftel in die Höhe und waren damit größte Gewinner im Technologieindex TecDax. Freenet-Aufsichtsratschef Helmut Thoma will nun extern nach einem neuen Firmenchef Ausschau halten. "Der Nachfolger soll bis zum Frühjahr feststehen", sagte er am Dienstag im Reuters-Interview. Vorübergehend soll Vorstandsmitglied Joachim Preisig die Geschäfte führen.

Keine Änderung der Strategie

An der Strategie von Freenet soll sich trotz des Chefwechsels nichts ändern. "Das beschlossene Integrationskonzept wird in voller Konsequenz umgesetzt", teilte Freenet mit. Freenet war vor kurzem mit der Übernahme des Konkurrenten Debitel zum drittgrößten Mobilfunk-Unternehmen in Deutschland mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent aufgerückt. Spoerr erklärte, das Unternehmen brauche nun "vorrangig Ruhe und Konzentration auf die Integrationsmaßnahmen und das operative Geschäft. Aufgrund des bestehenden Aktionärskreises und der wohl polarisierenden Wirkung meiner Person, ist dies unter diesen Umständen nicht gegeben." Priorität habe das langfristige Wohl der Gesellschaft. Ein Jahr lang soll Spoerr Freenet allerdings noch als Berater zur Seite stehen und sich dabei vor allem für den Verkauf der DSL-Sparte einsetzen.

Umstrittene Debitel-Übernahme

Spoerr, der das Unternehmen aufgebaut und 1999 an die Börse gebracht hatte, stand zuletzt unter Druck, weil Investoren mit ihm und seiner Leistung unzufrieden waren. Spoerr hatte Debitel unter massiver Gegenwehr seiner Großaktionäre United Internet und Drillisch übernommen und damit deren Plan durchkreuzt, Freenet unter sich aufzuteilen. Anschließend stockte das Vorhaben, die DSL-Sparte zu verkaufen, und der Freenet-Aktienkurs ging steil nach unten. Kritik wurde auch im Zusammenhang mit der Debitel-Integration laut, die nach Meinung von Kritikern vor allem auf Kosten der übernommenen Firma geschah. Der von Debitel kommende Manager Oliver Steil wurde anders als zugesichert doch nicht Vorstand bei Freenet.

Drillisch-Chef begrüßt Rücktritt

Der zu den größten Spoerr-Kritikern gehörende Drillisch-Chef Paschalis Choulidis bezeichnete den Rücktritt Spoerrs als "keinen verkehrten Schritt." Im Reuters-Interview sagte er: "Das bringt Vertrauen zurück in die Gesellschaft." Seine Attacken hatten Spoerr zugesetzt. Aufsichtsratschef Thoma sagte, Spoerr sei schon im Sommer amtsmüde gewesen. "Ich habe ihn überzeugt, das länger zu machen." Allerdings wäre es besser gewesen, wenn Spoerr erst später zurückgetreten wäre, fügte er hinzu. Schließlich gebe es eine Vielzahl wichtiger Aufgaben die anstünden. (APA/AP/Reuters)