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Ein Mensch, dutzende Bildschirme: In Zukunft soll eine spezielle Videoüberwachungs-Software das Sicherheitspersonal, etwa am Flughafen Wien, unterstützen. Grundlage dafür sind bestimmte Algorithmen, die mittlerweile patentiert sind.

Foto: Reuters / Alex Grimm

Mit der 2009 geplanten Eröffnung des SkyLink-Terminals am Flughafen Wien soll ein neues Videoüberwachungssystem in Betrieb gehen. Die dabei anfallenden Daten soll eine neue Software des Wiener Hightech-Unternehmens KiwiSecurity mittels künstlicher Intelligenz auswerten.

Das Unternehmen hat eine Lösung gefunden, welche die traditionelle Videoüberwachung revolutionieren soll: Eine von KiwiSecurity entwickelte Software, an der fünf Jahre geforscht wurde, übernimmt das Überwachen automatisch und sucht in Daten von tausenden Kameras nach potenziell gefährlichem Verhalten.

Mit "Computer Vision Algorithmen" sollen stehengelassenes Gepäck, weggenommene Gegenstände oder Bewegung in unerlaubte Richtung erkannt werden. Die Software reagiert gegen Verstöße zuvor definierter Regeln. Dies soll eine Entlastung für das Sicherheitspersonal bringen, das dadurch nicht mehr tausende Kamerabilder gleichzeitig im Auge behalten muss.

"Das System ist so entwickelt, dass die Videodaten nicht personenbezogen ausgewertet werden. Es werden zum Beispiel Informationen wie Geschwindigkeit und Gehrichtung analysiert", erklärt Florian Matusek, kaufmännischer Geschäftsführer bei KiwiSecurity.

Relevante Ereignisse

Ähnlich wie bei einem Trittsensor werde nur bei einem relevanten Ereignis ein Alarm ausgelöst. Je nach Bedarf könne man selbst die Kamerabilder mit dem Softwaremodul KiwiVision-Privacy Protector anonymisieren, um die Privatsphäre von Personen noch besser zu schützen. Zusammen mit Klemens Kraus und Stephan Sutor hat Matusek das Unternehmen vor knapp drei Jahren gegründet. Damals waren die drei noch Studenten an der Technischen Universität Wien in dem noch jungen Spezialgebiet "Echtzeit Video Analyse" tätig. Sie fanden heraus, dass die wirtschaftliche Praxis den theoretischen Möglichkeiten weit hinterherhinkt.

Mit ihren Ideen gewannen sie zwei Wettbewerbe für ihren Businessplan, fanden ihre ersten Räumlichkeiten im Frequentis- Gründerzentrum, wurden in den INiTS-Inkubator aufgenommen und konnten unter anderem mit den Geldern vom Austria Wirtschaftsservice (AWS) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) Personal anheuern.

Das Unternehmen besteht zurzeit aus elf Personen und beginnt nun mit dem Markteintritt auch außerhalb Österreichs. "Wir wollen natürlich nicht nur hierzulande präsent sein. Das Videoüberwachungssystem wird im deutschsprachigen Raum vertrieben und bald auch in Europa und weltweit", schildert Matusek.

Ziel sei, das System nicht nur an Flughäfen, sondern bei jeglicher Art von kritischen Sicherheitsbereichen einzusetzen. "Die Forschung wird jedoch immer im Vordergrund stehen", betont er. Die Algorithmen wurden bereits als Patent eingereicht. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2008)