Bild nicht mehr verfügbar.

Fernando Torres spricht gut auf die Spezialbehandlung seiner Achillessehne an und könnte Liverpool endlich wieder zur Verfügung stehen.

Foto: APA/EPA/Maric

Bild nicht mehr verfügbar.

Cesc Fabregas reiste zur Behandlung seiner Knie-Blessur nach Barcelona.

Foto: APA/EPA/Albir

Wien/London - Weihnachten und drum herum, das kann auch ordentlich nerven. Fluchtmöglichkeiten vor der familiären Süße kommen da manchmal wie gerufen. Traditionell eine der angenehmsten: auf den Fußballplatz gehen. Die Premier League macht es mit ihrer Boxing-Day-Runde am zweiten Feiertag möglich. Dem Umstand, dass sich Freunde der Kickerei mittlerweile in größerer Zahl vor TV-Schirmen versammeln, als sich frische Stadionluft um die Nase wehen zu lassen, wird durch eine breite Streuung der Anpfiffzeiten Rechnung getragen. So ist am Freitag vom frühen Nachmittag bis in den Abend hinein für Action gesorgt.

Tabellenführer Liverpool und Verfolger Chelsea haben es in den vergangenen Wochen mit je zwei Unentschieden verabsäumt, Meister Manchester United in dessen Abwesenheit aufgrund der Klub-WM weiter unter Druck zu setzen. Sieben Punkte fehlen ManUnited bei zwei Spielen weniger auf den Spitzenreiter. Am 26. und 28. Dezember stehen gleich zwei Runden auf dem Programm. Das Spitzenduo steht dabei vor lösbaren Aufgaben. Liverpool empfängt Bolton und gastiert in Newcastle, Chelsea bekommt es zu Hause mit Schlusslicht West Bromwich Albion und auswärts mit dem Lokalrivalen Fulham zu tun.

Chelsea ohne Terry

"Wir haben schon viele Chancen vergeben, die Tabellenführung zu übernehmen", erklärte Keeper Petr Cech. "Aber zum Glück lassen im Moment alle Teams Punkte liegen." Die Londoner müssen  auf Kapitän John Terry verzichten, der am Montagabend beim torlosen Remis in Everton ausgeschlossen worden war und nun für drei Partien gesperrt ist. Luiz Felipe Scolari, der nach der trostlosen Partie jeglichen Kommentar verweigert hatte, soll bereits zweimal nach Verfügbarmachung finanzieller Ressourcen verlangt haben, um sein Team verstärken zu können - und blitzte zweimal bei den Chelsea-Bossen ab. Ricardo Carvalho, zuletzt wegen Knieproblemen out, könnte Terry gegen Westbrom ersetzen.

Die jüngsten Ergebnisse haben vor allem Manchester in die Karten gespielt. Der Meister gastiert am Boxing Day bei Aufsteiger Stoke, drei Tage später empfängt United Middlesbrough im Old Trafford. Trotz der hohen Belastung seiner Belegschaft, plant Alex Ferguson keine Neuverpflichtungen im kommenden Transferfenster: "Ich bin mit dem zufrieden, was ich habe."

Auch Boro benötigt dringend Punkte. Das Team von Emanuel Pogatetz ist bereits seit sechs Ligaspielen sieglos und hat sich zuletzt mit einer 0:3-Niederlage in London gegen Fulham abgeholt. "So etwas tut weh und sollte nicht passieren. Unser Anspruch muss ein höherer sein", kritisierte Captain Pogatetz, der sein Team vor dem Heimspiel gegen Everton auf drei Punkte einschwor. "Im Moment ist jeder am Boden, aber es liegt in unserer Verantwortung, eine Reaktion zu zeigen. Unsere Leistungen waren zuletzt einfach nicht gut genug", zeigte der Österreicher Führungsqualität.

 Derzeit liegt Middlesbrough auf Rang 14 - drei Plätze hinter Wigan Athletic. Das Team von Paul Scharner hat zudem ein Nachtragsspiel gegen ManUnited ausständig. Die Latics treffen nach auf Newcastle (auswärts) und Bolton (daheim). Scharner sollte dabei wieder zur Stammformation zählen.

Arsenal am Scheideweg

Im Topspiel des Stefanitages empfängt der Tabellendritte Aston Villa den Fünften Arsenal. Die Gunners laufen dabei Gefahr, bei einer Niederlage den Kontakt zu den Champions-League-Plätzen zu verlieren. Zudem fehlt Kapitän Cesc Fabregas. Der 21-jährige Spielmacher hatte sich beim 1:1 im Schlager gegen Liverpool im Zweikampf mit Landsmann Xabi Alonso einen partiellen Riss des Innenbandes im rechten Knie zugezogen und fällt drei bis vier Monate aus. Spekulationen über einen weiteren Niedergang von Arsène Wengers Team kursieren jedenfalls bereits.

Villa-Boss Martin O'Neill schätzt, dass Arsenal geladen mit Revanche-Gedanken aufkreuzen dürfte, nachdem sein Team letztes Monat alle drei Punkte aus London mitnahm. "Außerdem haben sie die Chance ins Meisterrennen zurückzukehren. Das ist ein großes Spiel für uns, ein harter Test. Ich hoffe, wir sind dafür gerüstet", so die Einschätzung des Nordiren.

Spezialprogramm für Torres

Liverpool dagegen könnte am Freitag wieder auf die Knipser-Künste von Fernando Torres bauen. Der Stürmer stand den Reds wegen einer Achillessehnen-Verletzung ein Monat lang nicht zur Verfügung. Erst 16 Saison-Spiele konnte Torres nach wiederholten Problemen in diesem Bereich absolvieren. In der Rehabilitation legte die medizinische Abteilung Liverpools besonderes Augenmerk darauf, dieser Schwäche des 24-Jährigen mit einem speziellen Aufbauprogramm zu begegnen.

"Er arbeitet hart und macht gute Fortschritte", bemerkte Co-Trainer Sammy Lee. "Ein Mann seiner Klasse bedeutet für jedes Team eine deutliche Stärkung. Genaues kann ich nicht sagen, aber es könnte sich für Bolton ausgehen", so Lee. In der Startformation ist Torres allerdings noch nicht zu erwarten.

Erstmals seit 1996 geht Liverpool als Tabellenführer in die Boxing-Day-Runde. Das zeige laut Lee deutlich die Qualität der von Rafa Benitez zusammengestellten Truppe. Der Manager selbst wird am Freitag vermutlich erstmals seit einer Gallenstein-Operation wieder auf der Bank Platz nehmen. Dass man sich trotz des Ausfalls eines Weltklassemanns in der Spitze halten konnte, spräche für sich. "Wir sind nicht überrascht dort zu stehen, wo wir stehen", sagte Lee. Nach zuletzt drei Unentschieden in Anfield hintereinander sei aber auch klar, dass gegen Bolton, das der Lee in der letzten Saison entlassen hatte, ein Sieg her muss. Doch das könnte schwierig werden.  Die Zeiten des Heimvorteils gehören in der Premier League zunehmend der Vergangenheit an, da ihre moderne Spielanlage den Auswärtsteams immer bessere Karten in die Hand gibt. (Michael Robausch - derStandard.at 25.12. 2008)