Der Papst hält es für das „Recht der Kirche", dass „die Schöpfungsordnung respektiert" wird, nämlich die „menschliche Natur als Mann und Frau", sowie, daraus folgend, die Ablehnung homosexuellen Verhaltens als „Zerstörung des Werks Gottes". Theologisch weniger Gebildete als Benedikt XVI. , könnten sich fragen, ob die Homosexualität nicht auch zur Schöpfungsordnung gehöre, da sie seit frühesten Menschheitstagen manifest ist und sogar im Tierreich vorkommt. Die Antwort ist vermutlich in der Nähe des philosophischen Problems der Theodizee angesiedelt:

Wie kann ein allgütiger, allwissender und allmächtiger Gott das Böse zulassen? Das ist eben
sein unerforschlicher Ratschluss, lautet eine der Erklärungen dafür, und so ähnlich wird es mit der
Homosexualität sein. Sie gehört zur Schöpfungsordnung, wird aber vom Schöpfer als nicht in
Ordnung empfunden. Das wäre eine spannende theosophische Diskussion, wenn man nicht vermuten müsste, dass der Papst bewusst jetzt gesprochen hat, da es eine französische UNO-Initiative
zur Straffreiheit der Homosexualität in der Welt gibt (in sechs muslimischen Länder steht die Todesstrafe darauf). (DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.12.2008)