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Zehntausende demonstrierten am Sonntag in Jemens Hauptstadt Sanaa gegen Israel.

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Der Iran hat Muslime in aller Welt dazu aufgerufen, die Palästinenser im Gazastreifen gegen die Angriffe Israels zu verteidigen. In einem am Sonntag vom iranischen Staatsfernsehen verlesenen religiösen Erlass vom obersten geistlichen Führer Ayatollah Ali Khamenei hieß es, die Verteidigung schutzloser Frauen, Kinder und der Menschen im Gazastreifen mit allen Mitteln sei eine Pflicht für alle palästinensischen Kämpfer sowie alle gläubigen Muslime. "Wer bei dieser rechtmäßigen Verteidigung ums Leben kommt, wird als Märtyrer betrachtet", erklärte Khamenei. Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad hatte am Vorabend die israelischen Luftangriffe als "kriminell" bezeichnet. Das Teheraner Außenministerium sprach von "Völkermord".

"Nur moralische Unterstützung"

Israel wirft dem Iran vor, Hamas-Extremisten mit Waffen zu versorgen. Teheran weist diesen Vorwurf zurück und leistet nach eigenen Angaben nur moralische Unterstützung.
In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa demonstrierten am Sonntag zehntausende Menschen gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen. Sie folgten einem Aufruf der Regierungspartei, mehrerer Oppositionsparteien und anderer Organisationen. Auf einem Spruchband wurde die Untätigkeit der arabischen Welt angeprangert: „Wie lange wird die Stille andauern - Araber, wacht auf!" Auch in der syrischen Hauptstadt Damaskus protestierten am Sonntag tausende Menschen gegen Israel.

Die Arabische Liga verschob ein ursprünglich für Sonntag geplantes Treffen auf Mittwoch. Mehrere Außenminister seien nicht abkömmlich, sagte Generalsekretär Amr Mussa in Kairo, der die israelischen Luftangriffe scharf verurteilte.

Die USA machen die Hamas für die Eskalation der Gewalt im Gazastreifen verantwortlich. Die Hamas habe den Waffenstillstand mit Israel aufgekündigt und sei deshalb verantwortlich für die tödliche Gewalt, erklärte US-Außenministerin Condoleezza Rice am Samstag in Washington. "Die Vereinigten Staaten verurteilen die wiederholten Raketen- und Mörserangriffe gegen Israel auf das Schärfste und machen die Hamas verantwortlich für das Ende der Waffenruhe und die erneute Gewalt in Gaza", hieß es in der Erklärung. Die Waffenruhe, die die Hamas vergangene Woche nach sechs Monaten einseitig für beendet erklärt hatte, müsse "umgehend wiederhergestellt werden", forderte Rice.

Solana kritisiert Israel

EU-Chefdiplomat Javier Solana kritisierte dagegen die israelischen Luftangriffe. Diese hätten eine "inakzeptable Verlustziffer unter der palästinensischen Zivilbevölkerung" zur Folge gehabt, sagte er am Samstag. Zugleich erschwerten die Angriffe die Suche nach Frieden. Israel müsse die Grenzen wieder öffnen. Die EU sei bereit, ihre Beobachtermission an der Grenzübergangstelle Rafah wieder aufzunehmen, sagte Solana.

Papst Benedikt XVI. forderte am Sonntag im Angelusgebet auf dem Petersplatz in Rom eine sofortige Waffenruhe und verurteilte die Gewalt "in all ihren Erscheinungsformen". (Reuters, AFP, dpa, AP, red, DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2008)