Bangkok - In Thailand drohen neue Unruhen: Zehntausende Anhänger des geflüchteten Ex-Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra protestierten am Sonntag in Bangkok gegen die neue Regierung. Gekleidet in die roten Farben der Thaksin-Partei PPP skandierten die Demonstranten im Zentrum Parolen gegen den neuen Regierungschef Abhisit Vejjajiva und riefen immer wieder "Wir lieben Thaksin". Eine weitere Gruppe von Demonstranten zog vor dem Parlament auf und blockierte dort den Verkehr.

Im Parlament soll am Montag der neue Ministerpräsident Abhisit offiziell sein Regierungsprogramm verkünden. Der 44-Jährige war erst Mitte Dezember von den Oppositionsparteien zum neuen Regierungschef gewählt worden. Er ist der dritte Regierungschef des südostasiatischen Landes binnen vier Monaten.

Thailand steckt seit Monaten in einer tiefen politische Krise. Gegner des damaligen Regierungschefs Somchai Wongsawat hatten im August das Regierungsviertel und später auch die Flughäfen von Bangkok besetzt. Hunderttausende Touristen saßen deshalb in Thailand fest. Somchai, der ein Schwager von Thaksin ist, wurde Anfang Dezember vom Verfassungsgericht zum Rücktritt gezwungen und seine PPP verboten.

"Neuwahlen"

Indem die PPP-Anhänger am Sonntag nun das Parlament blockierten, übernahmen sie genau die Strategie, mit der die Opposition im August gesiegt hatte. "Wir fordern von Abhisit die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen", sagte Jatuporn Prompan von der Thaksin-Bewegung bei der Demonstration im Zentrum von Bangkok. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich daran mehr als 20.000 Menschen, die Organisatoren sprachen von mindestens 50.000 Teilnehmern. Mehr als 3.000 Polizisten waren im Einsatz.

Thaksin, ein Telekommunikations-Tycoon und früherer Polizist, wurde 2006 gestürzt und lebt seither im Exil, um in seiner Heimat nicht wegen Korruption vor Gericht gestellt zu werden. Er hatte es sich mit wichtigen Teilen der alten Elite im Königspalast, der Armee und der Verwaltung verdorben. Diese fühlten sich vor allem durch Thaksins enorme Popularität bei den Armen im Land bedroht. (APA/AFP)