Eine Frisur wie die von Julius Meinl V. wäre im Fußball nicht möglich. ÖFB-Präsident Friedrich Stickler hat scheitelmäßig ein ehrendes Angedenken verdient. Außerdem hat er eingesehen, dass er nicht zum Managen geschaffen ist.
Der Kaffeeröster Meinl mit dem Victory-Zeichen im Namen hält sich hingegen immer noch für einen Geschäftsmann. Nicht überraschend in einem Land, wo Großbauern als Industrielle durchgehen, Frank Stronachs Pressefuzzi KHG Finanzminister war und Klaus Emmerich im ORF reden darf.

Einen Mann mit Meinls dem Gottvertrauen zum Verwechseln ähnlichen Selbstvertrauen bräuchte der ÖFB als Präsidenten. Die Bundesliga hatte immerhin einen Vorstand Westenthaler. Der macht jedoch wieder Politik zum Angreifen. Konkretes Kabarett, Schmähführen mit Hand und Fuß, sozusagen.
Bevor am 30. Oktober 1974 Muhammad Ali in Kinshasa George Foreman ausknockte, trieb Zaires Diktator Mobutu die Gangster zusammen und teilte ihnen mit: Kusch und meine Propaganda nicht stören. Der vor dem EURO-Match gegen Deutschland vom ORF geschürte Chauvinismus bewies, dass auch Österreichs Selbstdarstellung mit den Fußballern und Hermann Maier steht und fällt.

Logisch, dass Faymann/Pröll die Heldenausbildung als Weiterentwicklung der geistigen Landesverteidigung verstehen. Tapfer weiterdenken in diese Richtung und die nächste Panzer-Abfängjäger-Sturmgewehr-Anschaffung kann entfallen. Die schöne neue Welt riecht nach Schweiß, aber sie kostet nur ein Lächeln mehr. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 29.12. 2008)