Sein Gesicht wird in den nächsten sechs Monaten in Europa des Öfteren zu sehen sein. Die Rede ist vom tschechischen Vizepremier und Europaminister Alexandr Vondra, dessen Land am 1. Jänner erstmals die EU-Präsidentschaft übernimmt. Im Tandem mit seinem Chef, Premierminister Mirek Topolánek, wird er den Zweiflern beweisen wollen, dass die Tschechen allen innenpolitischen Schwierigkeiten zum Trotz eine gute Präsidentschaft hinlegen können.

Vondra wird dabei mehr als nur der Wasserträger seines Chefs sein. Dem langjährigen Diplomaten ist zuzutrauen, dass er die für eine erfolgreiche EU-Präsidentschaft notwendigen Kompromisse in der 27er-Gemeinschaft schmiedet.

Mittlerweile ist aber Alexandr Vondra für Topolánek auch innenpolitisch unverzichtbar geworden. Denn seit einigen Jahren verkörpert er das europafreundliche Gesicht von Topoláneks rechtsliberaler Demokratischer Bürgerpartei (ODS). Dass Topolánek, der zu Oppositionszeiten durch krasse europakritische Aussagen aufgefallen war, heute den Lissabon-Vertrag unterstützt und dafür eine Mehrheit in seiner Partei sucht, ist sicher auf Vondra zurückzuführen.

Mitglied der tschechisch-polnischen "Solidarität"

Auch die Initiativen für Osteuropa, die Tschechien für die EU-Ratspräsidentschaft plant, tragen Vondras Handschrift. Denn für den Osten Europas hatte der 1961 geborene Geograf und Doktor der Naturwissenschaften schon immer ein Faible. Als Gegner des kommunistischen Regimes war er vor der Wende Mitglied der tschechisch-polnischen "Solidarität".

Vondra ist einer der wenigen früheren Dissidenten, die heute noch eine Rolle in Tschechiens Politik spielen. Anders als seine einstigen Weggefährten, die sich oft enttäuscht über die demokratische Praxis aus dem öffentlichen Leben zurückzogen, begann Vondra nach 1989 die "Ochsentour" durch die Institutionen. Lange beriet er Präsident Václav Havel in außenpolitischen Fragen, dann wurde er Diplomat und somit Beamter im Prager Außenministerium. Vier Jahre war der Vater eines Sohnes und zweier Töchter Botschafter in Washington.

Auch wenn Vondra deshalb als ausgesprochen proamerikanisch gilt und mit der tschechischen "Ostpolitik" so manchen russischen General oder Politiker provoziert, will er sich nicht in die Kategorie eines Russenfeindes drängen lassen. In einem Interview für Russia in Global Affairs bekannte Vondra, er finde es gut, dass sein Sohn Russisch neben Englisch und Französisch in der Schule als dritte Fremdsprache wählte. (Robert Schuster, DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2008)