"Man versucht alles, um mit subkutanen Methoden an diesem Image nicht nur zu kratzen, sondern es zu zerstören, damit man mich loswird."

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Wien - Seit drei Jahren ist Ursula Stenzel ÖVP-Bezirksvorsteherin der Wiener City - und keineswegs amtsmüde.Bei der Wiener Wahl 2010 will sie erneut antreten: "So ich die Unterstützung bekomme, die nötig ist und das gewünscht wird, sicher, ja." Auch wenn dies der regierenden SPÖ ein Dorn im Auge sei: "Ich bin ein Störfaktor, ich bin unbequem und man versucht alles, um mit subkutanen Methoden an diesem Image nicht nur zu kratzen, sondern es zu zerstören, damit man mich loswird."

Ein Grund sei, dass sie die Themen, die in ihrem Bezirk allen unter den Nägeln brennen, aufgreife und mit Hilfe der Öffentlichkeit bewusst mache - die einzige Möglichkeit, die ihr bleibe, da die Stadtverfassung Bezirksvorsteher mit geringen Kompetenzen ausstatte. Überdies sei die Zahl der Innenstadtbewohner für eine an absolute Mehrheiten gewöhnte sozialistische Hierarchie eine vernachlässigbare Größe: "Deshalb brauchen diese Menschen, die hier leben, einen Verstärker. Und ich bin der Verstärker ihrer Interessen."

Grundsätzlich wäre es aber selbstverständlich gut, wenn der Bezirk politisch und finanziell so ausgerüstet wäre, die Interessen seiner Bürger besser zu vertreten. Ansonsten werde ein Bezirksvorsteher für Missstände verantwortlich gemacht, sei es aber nicht. In ihrem Falle stecke hinter diesem Vorgehen Methode vonseiten des Rathauses.

Leuchtenprototyp

Das zeige sich am jüngsten Konflikt um den von ihr kritisierten Leuchtenprototyp für die neu zu gestaltenden Innenstadt-Fußgängerzonen: "Manchmal werde ich den Verdacht nicht los, dass bestimmte Leute in der Stadt Wien ganz gerne den ersten Bezirk egalisieren, nivellieren und banalisieren möchten. Und dazu eignet sich dann so ein Kraft- und Gewaltakt wie der Entwurf so einer Leuchte in solch einem Ambiente. Es bekommt dann ein bisschen mehr den Charakter einer Raststätte und weniger den des elitären ersten Bezirks." Das Kalkül sei hier also noch nicht einmal das politische Ziel, sie loszuwerden, sondern ein ideologisches.

Parkplatzmissstand

Entscheidend sei für sie die Zukunftsvision der Stadtväter für den ersten Bezirk: "Ich frage mich manchmal, ob es überhaupt so eine Vision gibt - wenn es sie gebe, wäre es wahrscheinlich eine falsche." Die Innere Stadt werde als Cashcow und Eventplatz missbraucht, bis der Mensch nur mehr die Flucht ergreifen könne.

Ein weiteres Problemfeld, welches immer virulenter werde, sei der Parkplatzmissstand in ihrem Bezirk: "Die Innere Stadt ist zu einem Dauerparkplatz verkommen." Deshalb werde es von ihr keine Zustimmung zum Bau einer Garage in der City geben, wenn nicht zugleich Oberflächenparkplätze installiert würden, die ausschließlich den Anrainern vorbehalten seien. (APA)