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Grafik: APA

Wien - Die niedrigsten Einkommen sind in Österreich in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken, im Niedriglohnbereich wird heute inflationsbereinigt um zwölf Prozent schlechter verdient als im Jahr 1998.

Das geht aus dem am Montag vom Rechnungshof (RH) veröffentlichen Einkommensbericht hervor. Er zeigt auf, dass in den hochqualifizierten Bereichen moderate Einkommenzuwächse lukriert werden konnten - und dass Frauen langsam, aber sicher in diesen Bereichen Fuß fassen. Frauen mit hoher Qualifikation holen auf. In den Spitzenfunktionen des öffentlichen Dienstes können vollzeitbeschäftigte Frauen fast so viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen - wenn noch mehr Leitungsfunktionen weiblich besetzt werden, wäre dieses Problem gelöst, zeigt der Bericht.

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Wien - Die obersten zehn Prozent leben nicht unbedingt üppig, aber immerhin besser als vor zehn Jahren: Nach Berechnungen des Rechnungshofs können die bestverdienenden Männer inflationsbereinigt um fünf Prozent mehr Einkommen auf dem Gehaltszettel finden, die bestverdienenden Frauen sogar sieben Prozent.

Das geht aus dem Einkommensbericht 2008 hervor, in dem die Prüfer die Einkommenssituation der Bevölkerung durchleuchtet haben. Sie können dabei auf eine inzwischen zehn Jahre umfassende Zeitreihe zurückgreifen und daher ganz gut vergleichen: Die mittleren Einkommen der unselbstständigen Beschäftigten sind inflationsbereinigt gleich geblieben (Indexwert 100), das hängt besonders damit zusammen, dass in den Jahren 2003 bis 2006 nur unter dem inflationsbereinigten Indexwert liegende Zuwächse erreicht wurden.

Besonders schlecht verdienen in Österreich Arbeiter: Das Medianeinkommen - jener Betrag, der von genau der Hälfte über- und von der anderen Hälfte unterschritten wird - liegt bei 17.848 Euro brutto pro Jahr. Dazu kommt, dass Frauen in der Arbeiterschaft nur 44 Prozent des mittleren Männereinkommens verdienen.

Am oberen Ende der Skala liegen die Einkommen in öffentlichen Dienst: Das Medianeinkommen der Beamten und Beamtinnen liegt bei 43.781 Euro. Hier wirkt sich aus, dass in den vergangenen Jahren viele einfache Verwaltungstätigkeiten sowie Arbeiten bei Vertragsbediensteten belassen wurden - und dass es massive Ausgliederungen gegeben hat.

Wurden früher viele Arbeitertätigkeiten von pragmatisierten Staatsbediensteten erbracht, so ist die Beamtenschaft inzwischen auf einen Kern zusammengeschmolzen, in dem vor allem Akademiker und Akademikerinnen und Maturanten und Maturantinnen vertreten sind. Und diese verdienen entsprechend gut. Manchmal, aber durchaus nicht immer besser als in der Privatwirtschaft, wie der Rechnungshofbericht zeigt.

Gute Jobs in der E-Wirtschaft

Die Prüfer sahen sich nämlich auch die einzelnen Branchen an und fanden heraus, dass die besten Jahreseinkommen im Bereich der Energie- und Wasserversorgung (Medianwert im Jahr 2007: 45.106 Euro), im Kredit- und Versicherungswesen (Medianwert: 37.873 Euro) und in der öffentlichen Verwaltung lukriert werden: Im Schnitt verdienen Beamte und Vertragsbedienstete 32.259 Euro pro Jahr.

Betrachtet hat der Rechnungshof auch die wachsende Gruppe der Pensionisten. Von diesen sterben jährlich durchschnittlich 73.200 Personen, wobei der Frauenanteil zwischen 53 und 55 Prozent liegt. Aber: "In Kombination mit den jährlichen Neuzugängen steigt die Anzahl der PensionsbezieherInnen um rund 20.000 Personen pro Jahr. Die mittleren Einkommen der ‚Abgänge‘ sind die niedrigsten unter den PensionistInnen, begründet in den niedrigeren Pensionsansprüchen der älteren Jahrgänge" , heißt es in dem Einkommensbericht. Mit anderen Worten: Die durchschnittlichen Pensionisten können sich über wachsende Einkommen freuen - auch wenn das für den einzelnen Pensionisten nicht spürbar ist.

Frauen verdienen weniger

Sehr genau betrachtet der Rechnungshof, wie sich die Einkommen von Frauen in Relation zu jenen der Männer entwickeln.

Erster Befund: Es gibt mehr Teilzeitbeschäftigte, nämlich bereits 571.900 oder 20 Prozent aller ganzjährig beschäftigten Erwerbspersonen. Teilzeitbeschäftigung betrifft Frauen weit mehr als Männer: 89 Prozent aller ganzjährig Teilzeitbeschäftigten sind weiblich, 39 Prozent aller erwerbstätigen Frauen befinden sich in einem Teilzeitarbeitsverhältnis (bei Männern liegt dieser Anteil bei 4 Prozent).

Dazu kommt: Frauen sind überproportional in Dienstleistungs- und Hilfstätigkeiten und damit in schlecht bezahlten Berufen zu finden. In diesen Berufsgruppen arbeiten sie überdurchschnittlich häufig in Teilzeit - was sich zusätzlich negativ auf ihre Einkommenssituation auswirkt.

Benachteiligt sind aber auch Männer in schlechtbezahlten Jobs: Die zehn Prozent der schlechtestbezahlten Männer bekommen inflationsbereinigt nur 76 Prozent dessen, was sie 1998 lukrieren konnten. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.12.2008)