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Die Geschichte des Max Butler ist zwar nicht ganz so ehrbar wie Robin Hoods, aber durchaus so spektakulär

Foto: Archiv

Über 1 Million Kreditkartendaten konnte der US-Amerikaner Max Butler sammeln, bevor ihm das FBI 2007 das Handwerk legte und er zu einer Gefängnisstrafe von 30 Jahren verurteilt wurde. Wired hat die filmreife Geschichte des Hackers aus Gerichtsdokumenten und Gesprächen mit Bekannten rekonstruiert.

Konsolidierung der Datendiebe

Mit seiner Kreditkartenseite CardersMarket.com gelang Butler 2006 ein gigantischer Coup: er überlistete andere Cyber-Kriminelle und übernahm die Herrschaft über den Schwarzmarkt für Kreditkartendaten. In einer zweitägigen Marathon-Sitzung brach er auf den vier größten Kreditkarten-Seiten ein und kopierte sämtliche Inhalte samt Logins und Adressen der Personen, die auf der Seite Daten angeboten oder gekauft hatten. Danach löschte er die Datenbanken und schickte an alle Mitglieder E-Mails mit der Information aus, dass sie ab sofort zu CardersMarket.com gehörten. So konnte er mit einem Schlag über 6.000 Nutzer auf seiner Seite vereinigen.

Millionengeschäft

Unter seinem Online-Namen Iceman führte er auf einen Schlag den größten Umschlagplatz für gestohlene Kreditkartendaten - ein Millionengeschäft. Seit 2005 seien laut FBI von US-Banken und anderen Finanzunternehmen über 140 Millionen Kreditkartendaten gestohlen worden mit einem Verlust von 67 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Mit seinem genialen Coup geriet Butler jedoch auch ins Visier des FBI und des Secret Service, für die er eine neue Spezies der Computer-Kriminellen vertrat: wirtschaftlich agierende und bestens organisierte Cyber-Betrüger.

Regierungsseiten gehackt

Zunächst arbeitete Butler nach kleinere Hacks als Jugendlicher als Sicherheitsberater für Unternehmen und sogar das FBI, indem er Sicherheitslücken in Netzwerken aufspürte. Schlecht verdiente er damit nicht, 100 Dollar pro Stunde soll ihm der Job als Miet-Hacker eingebracht haben. Doch Butler wollte mehr und brach unerlaubt auf Server der Regierung und des Militärs ein, was ihm eine Gefängnisstrafe von 18 Monaten einhandelte.

Kreditkartenbetrug im großen Stil

Während seines Gefängnisaufenthalts lernte er weitere Kriminelle kennen, mit denen er nach seiner Freilassung im Jahr 2002 den Kreditkartenbetrug in großem Stil aufzog. Zunächst spionierten sie die Kreditkarten nur von Hackern und anderen Betrüger aus, gingen danach aber auf kleine Banken über. Gemeinsam zogen sie ein lukratives Unternehmen auf, kauften mit gefälschten Kreditkarten teure Waren ein und verscherbelten sie wieder.

Größter Online-Marktplatz

Doch die zunehmenden Drogenexzesse und Partys seiner Kollegen störten Butler und so sah er sich nach anderen Käufern für die gestohlenen Daten um und gründete CardersMarket. Bereits nach einem Jahr verzeichnete der neue Online-Handelsplatz über 1.500 Mitglieder. Nach der feindlichen Übernahme der vier größten Konkurrenzseiten wuchs Butlers Seite auf über 6.000 Mitglieder an und Butler engagierte Administratoren, die ihm bei der Verwaltung der Mitglieder halfen.

Hacker aus Leidenschaft

Die riesige Community zog das Interesse des FBIs auf sich, das 2006 einen Agenten einschleuste und herausfand, dass Butler nicht wie behauptet die Website nur hostete, sondern selbst die Daten beschaffte und verkaufte. Neben dem FBI, das alle IP-Adressen der Besucher von CardersMarket überwachte, war auch der Secret Service Butler auf den Fersen. Im September 2007 wurde der Kreditkartenzampano schließlich verhaftet. Trotz seines Datendiebstahlimperiums habe er es jedoch nicht für das Geld getan, sind sich seine Weggefährten sicher. Er habe einfach gerne gehackt und beweisen wollen, dass er cleverer und tougher als alle andere ist. (red)