Wolfgang Münchau: "Kernschmelze im
Finanzsystem". Hanser Verlag, München 2008. Preis: 22,60 Euro

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Auch in der Wirtschaftsliteratur geht die Finanzkrise weiter. Eine Fachpublikation jagt zur Zeit die nächste. Viele ähneln sich: Wie entstand die Krise, welche Auswirkungen hat sie, wie sehen die Zukunftsszenarien aus. Financial Times-Journalist Wolfgang Münchaus legt ein Quäntchen Krisenbericht nach. Die Fortsetzung seines im Frühjahr des Jahres erschienen Buches "Vorbeben" fasst die Krisenereignisse zusammen und versucht einen Blick in die Zukunft.

Münchau wiederholt noch einmal präzise die Abläufe der als Subprime-Krise in den USA begonnen Weltwirtschaftskrise - und zwar auf allgemein verständliche Art, die auch für den nicht mit der komplizierten Finanzwelt und deren Termini vertrauten Leser erfassbar ist.

Makro- und mikroökonomische Gründe seien für die Krise verantwortlich wie niedrige Realzinssätze oder die Basel-I-Kapitalregeln für die Banken.

Da die Ursachen aber bereits als hinlänglich bekannt vorausgesetzt werden können halten wir uns an die Zukunftsprognosen des Autors: Er meint, dass sich die Wirtschaftskrise nicht zu der großen Depression der 1930er-Jahre auswachsen wird, da Fehler der Vergangenheit heute nicht wiederholt werden und zudem die Sozialsysteme leistungsfähig genug seien. Das Ende der Krise prognostiziert der Journalist für 2010/11.

Bleiben werden längerfristig reduzierte Gehälter, ein beschädigtes Ansehen der Banken, ein Finanzsektor, der an Bedeutung verloren hat und eine Machtverschiebung von den USA hin nach Asien. (Barbara Forstner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.12.2008)