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Palästinensischer Raketenangriff auf die Stadt Ashkelon: 14 Bewohner wurden am Montag verwundet, mindestens 40 Raketen wurden aus dem Gazastreifen abgefeuert.

Foto: REUTERS/Yoav Weiss (ISRAEL)

Verteidigungsminister Ehud Barak schloss am Montag eine Verhandlungslösung strikt aus.

Israelische Militärs klingen derzeit vollmundig wie selten. Man habe es nicht nur auf die Terroristen, sondern auf die gesamte Hamas-Regierung abgesehen, unterrichtete Vizegeneralstabschef Dan Harel am Montag die Vorsteher jener Gemeinden, die sich in Reichweite palästinensischer Raketen aus Gaza befinden. „Das Schlimmste liegt nicht hinter, sondern noch vor uns." Aber am Ende der Operation „Gegossenes Blei", prophezeite Harel, werde kein Gebäude der Islamisten mehr stehen.

Bei vielen Israelis kommen solche Worte gut an. Wie seinerzeit im Fall der Hisbollah möchte man mit der Hamas ein für alle Mal aufräumen. Dafür ist man bereit, auch längere Aufenthalte in ungemütlichen Schutzräumen zu verbringen, die im Süden Israels allenthalben entrümpelt werden. Wie im Sommer 2006 im Libanon hat der militärische Anfangserfolg große Ambitionen geweckt.

Geschätzt wird, dass die ersten israelischen Angriffswellen die mittlere Kommandoebene der Hamas ausgeschaltet haben. Mindestens die Hälfte der Abschussrampen soll zerstört sein. Nur, am Ende ist die Hamas noch nicht, wie sie am Montag mit dutzenden abgefeuerten Raketen demonstrierte.
Allein neun trafen am Morgen die Hafenstadt Ashkelon, die von Gaza 18 km weit entfernt liegt. Eine schlug in einer Baustelle ein, auf der arabische Israelis arbeiteten. Ein Beduine starb, zehn andere wurden teilweise schwer verletzt.

"Leider auch Zivilisten"

Israel nimmt es indes als unvermeidlichen Kollateralschaden hin, dass in Gaza auch Kinder und Frauen unter den Opfern sind. So sehr man alle Anstrengungen unternehme, nur die Hamas zu treffen, so Außenministerin Zipi Livni, „bezahlen leider auch Zivilisten den Preis". Was die israelische Regierung erreichen will, schien am dritten Tag der Offensive allerdings unklarer als zu Beginn. Zwar heißt es, das Jerusalemer Außenamt arbeite an einer „Exit-Strategie", womit diplomatische Szenarien gemeint sind, um den Waffengang zu beenden. Aber eilig scheint man es damit nicht zu haben.

"Bis zum bitteren Ende"

Verteidigungsminister Ehud Barak, der vor der Operation „Gegossenes Blei" so oft gescholten wurde, wie er jetzt gelobt wird, schließt eine Verhandlungslösung derzeit aus. Israel führe gegen die Hamas „Krieg bis zum bitteren Ende".
Skepsis, ob tatsächlich die große Bodenoffensive beabsichtigt wird, ist freilich geboten. Zwar wurde das Grenzland zu Gaza zum militärischen Sperrgebiet erklärt, nur, dass die Panzer vor den Übergängen stehen, muss nicht heißen, dass sie auch einrollen. Es könnte genauso Teil der psychologischen Kriegsführung sein. Ein Einmarsch birgt für Israel militärische und politische Gefahren.

Militärexperte Alex Fishman – keineswegs ein Linker – ist daher dafür, gerade jetzt, im Lichte des Erfolgs, einen Waffenstillstand zu arrangieren. Die Gefahr sei groß, sonst in einen Zermürbungskrieg gezogen zu werden. „Wir sollten uns lieber schnell entscheiden", so Fishman, „damit die Entscheidung nicht für uns gemacht wird."
Hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu Beginn der Offensive ein gewisses Verständnis für Israel gezeigt – was bei Protesten in der arabischen Welt für Zorn gesorgt hatte -, so geißelte er am Montag die „israelische Aggression" in Gaza. Nach syrischem Vorbild ließ er weitere Friedensgespräche mit den Israelis absagen. (Inge Günther aus Jerusalem, DER STANDARD, Printausgabe, 30.12.2008)