Die ÖVP will einen Bericht abwarten, die SPÖ würde sich am liebsten ganz raushalten, die Grünen haben es eh schon immer gewusst: Martin Graf, von der FPÖ gestellter Dritter Nationalratspräsident, hat einen rechten, einen extrem rechten, einen nationalen Hintergrund. Wie man das formuliert, ist Geschmackssache - und eine Frage der strafrechtlichen Beurteilung.

Graf selbst hat aus seiner nationalen Gesinnung nie ein Hehl gemacht. Dennoch fanden SPÖ und ÖVP nichts dabei, ihn ins Nationalratspräsidium zu wählen. Graf ist zwar Mitglied der ehemals verbotenen Burschenschaft "Olympia", er selbst habe sich aber nie etwas zuschulden kommen lassen.

Niemanden kann es überraschen, dass Graf Mitarbeiter ins Parlament geholt hat, die die gleiche politische Gesinnung und ein ähnliches Geschichtsbild haben wie er. Es sind Burschenschafter mit einem höchst fragwürdigen Verhältnis zum Nationalsozialismus. Es stimmt, sie wurden noch nicht beim Hitlergruß oder mit einer Hakenkreuzfahne erwischt. Aber sie nehmen an einschlägigen Veranstaltungen teil, sie bestellen sich bei einem rechtsextremen Versandhandel Material. Es stimmt, das alles mag gerade noch nicht strafbar sein. Damit kann sich die FPÖ herausreden.

Damit können sich aber nicht SPÖ und ÖVP herausreden. Leute, die mit dem Nationalsozialismus kokettieren, sollen nicht Mitarbeiter im Parlament sein. SPÖ und ÖVP haben Graf gewählt, jetzt sollen sie dafür sorgen, dass er das Ansehen des Hohen Hauses nicht in den braunen Schmutz zieht. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2008/1.1.2009)