Das Wiener Zentrum VRVis visualisiert auch Unwetterprognosen - hier am Beispiel einer Warnung für den Raum Wien.

Foto: Vrvis

Ob Mathematik, Klimaforschung oder Molekularbiologie: Kaum ein Wissenschaftszweig kommt heute ohne Visualisierung aus, ohne bildhafte Darstellung von Forschungsergebnissen. Thomas Ertl von der Universität Stuttgart wird darüber am 28. 1. im Rahmen des internationalen Symposiums "Visual Computing Trends 2009" im Tech Gate Vienna sprechen. Veranstalter der Tagung ist das Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung VRVis, das mittlerweile vor acht Jahren auf Initiative des Instituts für Computergraphik und Algorithmen der TU Wien als K-plus-Kompetenzzentrum entstand und seither die Kooperation mit Wissenschaft und Wirtschaft sucht. Mit einigem Erfolg: Bei der internationalen Konferenz "IEEE Visualization", die jedes Jahr im Oktober in den USA stattfindet und als eine der weltweit wichtigsten ihrer Art gilt, wurden in den vergangenen beiden Jahren von insgesamt 106 selektierten Beiträgen vierzehn von der TU Wien und dem VRVis ausgewählt .

TU-Wissenschafter Werner Purgathofer, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums, verweist aber darauf, dass in Österreich auch andere Forscher nennenswerte Exzellenz zum Thema Visual Computing aufgebaut haben. Das Institut für Geometrie der TU Wien und mehrere Institute an der TU Graz hätten sich beispielsweise ebenfalls etabliert. Dass österreichisches Know-how im Bereich Visualisierung international gefragt sei, zeige unter anderem die Berufung von Dieter W. Fellner von der TU Graz an die TU Darmstadt als Leiter des Instituts für graphisch-interaktive Systeme. Fellner ist damit auch Leiter des Instituts für Graphische Datenverarbeitung der Fraunhofer Gesellschaft, neben der Max-Planck-Gesellschaft eine der Säulen der außeruniversitären Forschung in Deutschland.

Purgathofer meint, auch das Programm "Visual Computing" der Förderschiene FIT-IT habe dazu beigetragen, österreichisches Know-how in den Bereichen Visualisierung international sichtbar zu machen - das Thema wurde 2006 "als vielversprechend identifiziert". Zumindest für die nächsten zehn Jahre sieht man im Programm-Management innerhalb der Forschungsförderungsgesellschaft große Chancen, "um durch die Kombination der verschiedenen Forschungsbereiche neuartige visuelle Werkzeuge und Analyseverfahren zu entwickeln".

Auch bei der Stadt Wien glaubt man daran, weshalb VRVis auch als einer von drei Anträgen den Zuschlag des Programms Vienna Spots of Excellence erhielt - was wiederum eine dreijährige Förderung zur Folge hat. Industriepartner des Zentrums sind unter anderem der niederösterreichische Autoinnenausstatter Eybl und Motorenzulieferer AVL List aus der Steiermark. Gemeinsam mit der von Microsoft gekauften Firma Vexcel baut man die Basis für die 3-D-Stadtrekonstruktion im Projekt "Virtual Earth".

Die größten Hoffnungen aber haben die Visualisierungsexperten des VRVis auf die Bewilligung ihres K1-Antrags im Rahmen des Comet-Förderprogramms. Sieben K1-Zentren sollen eingerichtet werden, elf Anwärter gibt es. Bis Ende Oktober 2009 läuft das Begutachtungsverfahren.

Die Teilnahme am Symposium "Visual Computer Trends 2009" im Tech Gate Vienna (1220 Wien, Donau-City-Straße 1,) ist kostenlos. Anmeldung via Website. (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2008/01.01.2009)