Dieses Buch hat in der spanischen Version bereits für erheblichen Wirbel gesorgt. Der seit 1974 im deutschen Exil lebende Chilene Victor Farías hat mit seiner Pionierstudie einen wunden Punkt getroffen: Nicht nur bei seinen Landsleuten, sondern auch beim renommierten Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin.

So schildert er, wie der Freiburger Anthropologe Johann Schäuble 1934 zwecks "Bastardenforschung" in Chile Schädel und Fußabdrücke vermass. Er wurde vom Berliner Institut unterstützt, das im Gegenzug chilenische Mediziner zu Studienaufenthalten nach Deutschland brachte - Praktikum im Arbeitslager inklusive.

Farías zeigt, wie chilenische Diplomaten an Verbrechen beteiligt waren. Der Generalkonsul in Prag lieferte 1500 Akten von Juden an SS und Gestapo, die dann ins KZ kamen.

Bemerkenswert ist auch der im Buch dokumentierte Briefwechsel zwischen Simon Wiesenthal und Chiles sozialistischem Präsidenten Salvador Allende (1970-73). Wiesenthal forderte die Auslieferung des seit 1961 unbehelligt in Chile lebenden SS-Standartenführers Walter Rauff, der wegen Ermordung von fast hunderttausend Menschen in Nürnberg verurteilt worden war. Allende verwies jedoch auf die vom Obersten Gerichtshof Chiles festgestellte Verjährung der Vorwürfe und darauf, dass es dem "Präsidenten der Republik verwehrt" sei, sich hier einzumischen.

Häufiger wären für die deutsche Ausgabe Erläuterungen zur chilenischen Geschichte notwendig gewesen. Sparen hätte sich der an der Freien Universität Berlin lehrende Philosoph seine Ausführungen zu Nationalsozialismus als "extreme Psychopathologie" im Vorwort können. Das Buch spricht durch die gesammelten Fakten für sich. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.3.2003)