Foto: AP/MATTHIAS RIETSCHEL

Schwein, das wahrscheinlich nicht weiß, was ihm blüht.

Wenn es ans Schlachten geht, wollen selbst eingefleischte Schnitzeltiger lieber nicht dabei sein. Zwar essen wir viel mehr Fleisch als vorangegangene Generationen - dass und wie dafür Tiere sterben müssen, wird aber ausgeblendet. Das industrialisierte Sterben und der lächerlich geringe Wert, der dem Leben von Nutztieren inzwischen zugemessen wird, haben ihre Wurzeln auch darin, dass der Tod so perfekt verschwiegen und in Schlachtfabriken versteckt werden kann. Umso affektierter kann man sich etwa über das Stopfen der Gänse erregen - weil das Resultat bloß Feinschmecker erfreut und deshalb geeignet ist, vom industrialisierten Leid der Milliarden Hühner, Schweine und Rinder abzulenken, die wir ohne weiteres verzehren. Dabei war der Schlachttag früher Anlass zu Feiern.

Die Tradition, dem Schwein zu seinem Tode ein Fest zu bereiten, nimmt das "Gut Purbach" im Burgenland (zwei Hauben) jetzt wieder auf. Am 31. Jänner steigt ein Sautanz samt Live-Musik, bei dem zugesehen werden kann, wie ein Schwein in seine kostbaren Einzelteile zerlegt, frische Blunze und Sulz gemacht, Grammeln ausgelassen, Speck eingesalzen und auch sonst dafür gesorgt wird, dass alles, was einmal Leben war, sich in köstliche Energie verwandle. Also: Hinschauen statt wegschauen! Und aufessen! (Severin Corti/Der Standard, Printausgabe 10./11.01.2009)