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Wegen des Bodenfrosts müssen Totengräber derzeit zum Presslufthammer greifen.

Foto: APA/Pfarrhofer

"Die Leute sterben halt immer. Das lässt sich nicht verschieben", sagt Adem Sömnecan und zuckt mit den Schultern. Er ist einer von rund 25 Totengräbern am Wiener Zentralfriedhof, die derzeit trotz klirrender Kälte tagaus tagein im Freien arbeiten müssen. Und momentan ist die Arbeit besonders hart: Wegen des Bodenfrosts müssen Sömnecan und seine Kollegenschaft zum Presslufthammer greifen, um die Grabstellen ausheben zu können.

Bereits um 7.00 Uhr sind Sömnecan und seine Kollegen am Dienstag – wie an jedem Tag – ausgerückt, um eine letzte Ruhestätte nach der anderen auszubuddeln. Was wann zu erledigen ist, darüber gibt eine tagesaktuelle Liste Auskunft. Gearbeitet wird immer zu zweit, wobei die Friedhofsmitarbeiter im Falle eines vorbeiziehenden Trauerkondukts ihr schweres Gerät für kurze Zeit niederliegen und mitunter eine Rauchpause einlegen. "Das ist ja keine Baustelle hier", betont Sömnecan und zieht an seinem Glimmstängel. Er arbeitet seit mittlerweile 14 Jahren in diesem Gewerbe.

Presslufthammer mit Schrämmaufsatz

Normalerweise dauert das Ausheben eines Grabes etwa drei Stunden. An kalten Wintertagen muss jedoch eine zusätzliche Stunde eingeplant werden, da das Erdreich durch den Frost besonders schwer zu bearbeiten ist. Dann kommt der Presslufthammer zum Einsatz. Dieser ist mit einem sogenannten Schrämmaufsatz bestückt, mit dem die obersten 30 bis 40 Zentimeter des Bodens zunächst gelockert werden.

Nachdem die gefrorenen Schollen entfernt worden sind, kann dann mit dem üblichen Handwerkzeug, etwa einer Spitzhacke, weitergearbeitet werden. In bis zu 2,70 Metern Tiefe kommen die Särge schließlich zu liegen. Da üblicherweise keine Leiter mitgeführt wird, haben die Grabausheber eine eigene Technik entwickelt, mittels der sie aus dem Loch wieder herauskommen. Sie ziehen sich am "Krampen", also an der Spitzhacke, die quer über die Öffnung gelegt wird, wieder hoch an die Oberfläche.

Mit Graben sind die Friedhofsmitarbeiter vor allem am Vormittag beschäftigt. Nachmittags müssen die Gräber dann – nach den Trauerfeierlichkeiten – wieder zugeschüttet werden. Allein am Zentralfriedhof finden laut Sprecherin Andrea Rauscher 20 bis 25 Begräbnisse täglich statt. Aber auch auf anderen der 46 städtischen Friedhöfe werden wintertaugliche Behelfsgerätschaften eingesetzt. Zu denen gehören auch speziell ausgerüstete Bagger.

Die kleinen und deshalb äußerst wendigen Gefährte werden ebenfalls mit Schrämmaufsatz ausgestattet und kommen überall dort zum Einsatz, wo eine problemlose Zufahrt möglich ist. Am Zentralfriedhof stehen dieser Tage nur ein solcher Bagger sowie ein Presslufthammer zur Verfügung. Müssen mehrere Gräber zugleich ausgehoben werden, bleibt den hauptberuflichen Buddlern nichts anderes übrig, als mit Spaten und Spitzhacke gegen den frostigen Boden anzukämpfen.

Um vor allzu eisigen Temperaturen geschützt zu sein, haben die Totengräber auch eine eigene Winterkluft, die von dicker Jacke über Handschuhe bis hin zu wärmeren Kappen reich. Ein Outfit, dem Adem Sömnecan offenbar nicht viel abgewinnen kann. Er trägt heute lediglich ein Flieshemd und eine leichte Jacke. "Die Arbeit mit dem Presslufthammer hält warm", meint er und macht sich wieder an die Arbeit. Die Rauchpause hat ihn nämlich doch zum Bibbern gebracht. (APA)