"Studenten sollten den Anspruch haben, gesellschaftliche Avantgarde zu sein." Nach dem Motto "sollen sie doch froh sein, dass sie es als erste ausprobieren dürfen", hat sich Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP), dessen Ressort für die Umsetzung des E-Votings bei der ÖH-Wahl zuständig ist, nun in der Debatte um die elektronische Stimmenabgabe zu Wort gemeldet. Und er mag teilweise auch Recht haben: auf den ersten Blick erscheint es fast lächerlich, dass seit Wochen ein derartiges Tam-Tam um die neue, zusätzliche Möglichkeit der Stimmabgabe gemacht wird.

Doch auf den zweiten Blick machen die vielen kritischen Stimmen stutzig. Nicht umsonst melden sich Techniker, Juristen, Politiker oder gar der Präsident des Verfassungsgerichtshofes zu Wort, um vor der elektronischen Stimmenabgabe zu warnen: Die hundertprozentige Gewährleistung der geheimen Wahl ist nicht gegeben, sagen sie. Unabhängige Experten warnen vor Sicherheitslücken und auch internationale Evaluierungen bescheinigen der E-Voting Software kein gutes Zeugnis.

Sicherlich würde die ÖVP ein modernes Signal aussenden, wenn sie ein erfolgreiches E-Voting-Pilotprojekt zum Herzeigen durchführen würde. Hahn selbst sagt ja, es sei einfach an der Zeit, dass man diese Möglichkeit bei einer "signifikanten Wahl" anbiete und damit einer Entwicklung Raum breche. Und das Wissenschaftsministerium hat sicher schon viel Geld und Zeit investiert, aber trotzdem sollte E-Voting nicht mit der Brechstange eingeführt werden.

Gut Ding braucht Weile. Und das hat nichts mit Modernitätsverweigerung zu tun. Wenn die Technik erst in einigen Jahren soweit ist, dann eben erst dann. Man sollte nichts überstürzen, denn die Zeit ist, so lange Sicherheitsmängel bestehen, offensichtlich einfach noch nicht reif für E-Voting. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 16.3.2009)