Rom - Die italienische Regierungspartei Lega Nord hat dem Parlament einen Entwurf vorgelegt, der die zwangsweise Hormonbehandlung für Sexualtäter vorsieht. Diese Maßnahme soll in ein Gesetz zur Bekämpfung der sexuellen Gewalt eingegliedert werden, über das das Parlament abstimmen muss. Die Lega Nord forderte außerdem, dass Fotos von gesuchten Sexualstraftätern in öffentlichen Lokalen ausgehängt werden.

Triebunterdrückung mittels Medikamenten

Nachdem es in den vergangenen Tagen wieder zu mehreren Vergewaltigungen gekommen ist, erklärten SpitzenpolitikerInnen der rechtspopulistischen Lega Nord, dass sich Italien an anderen Ländern ein Beispiel nehmen und die Strafe der chemischen Kastration einführen solle. Bei der medikamentösen Form der Kastration werden die männlichen Sexualhormone blockiert oder ihre Produktion unterdrückt. Die Behandlung ist in der Regel rückgängig zu machen.

Der Oppositionspolitiker Antonio Di Pietro begrüßte den Vorschlag der Lega Nord. "Die chemische Kastration auf freiwilliger Basis könnte eine Lösung sein. Ich denke an den Inzestfall in Österreich", so Di Pietro am Mittwoch.

Maßnahmenpaket gegen sexuelle Gewalt

Die italienische Regierung hat im Februar eine Verordnung mit Maßnahmen zur Bekämpfung der sexuellen Gewalt erlassen. Demnach sollen Personen, die der sexuellen Gewalt beschuldigt werden, bis zum Prozess hinter Gittern bleiben und nicht unter Hausarrest gestellt werden. Den Opfern von Sexualverbrechen soll kostenlose Rechtsbeihilfe garantiert werden.

Die Verordnung erlaubt zudem, dass freiwillige Bürgerverbände zur Kontrolle ihrer jeweiligen Stadtviertel eingerichtet werden. Die Gruppen unbewaffneter BürgerInnen sollen in Übereinstimmung mit dem Bürgermeister und dem Polizeichef in ihren Wohnorten patrouillieren und der Polizei Unregelmäßigkeiten melden. (APA)