Johannesburg/Pretoria - Bunte Betonpaneele schmücken das Johannesburger Fußballstadion - der Hersteller: die österreichische Firma Rieder. Die elektronischen Röntgen- und Krankenaktensysteme in 32 südafrikanischen Spitälern - der Hersteller: die österreichische Firma AME. Das sind nur zwei von 30 heimischen Unternehmen, die in Südafrika tätig sind. Wenn es nach der Wiener Wirtschaftskammer geht, sollen es mehr werden.

WKW-Präsidentin Brigitte Jank bereiste dieser Tage Südafrika und wechselte mit den zuständigen Kammern freundliche Worte. Der Hintergrund: Da die (ost-)europäischen Märkte finanztechnisch krachen, gilt es, sich woanders umzusehen.

"Spüren die Krise" 

Der Markt an der Südspitze Afrikas soll für Unternehmer einiges hergeben, auch wenn sich die Wirtschaftskrise auch dort auswirkt. Laut eines Berichts der Weltbank anlässlich des Weltfinanzgipfels in London im April, verschlechtert sich die Wirtschaftslage in Entwicklungsländern dramatisch. Abhängig davon, wie schnell die Regierungen der einzelnen Länder Maßnahmen setzen, könnte sich der "finacing gap" zwischen 270 und 700 Milliarden US-Dollar bewegen. Tito Mboweni, Governeur der Südafrikanischen Zentralbank dazu: "Wir spüren die Finanzkrise schon in Form von steigenden Arbeitslosenraten, Insolvenzen und weniger Exporten." Die Produktion ging im letzten Quartal 2008 um 21 Prozent zurück.

Europäische Firmen, die in Südafrika produzieren lassen, tragen dazu bei. Riaan Le Roux vom Wirtschaftsministerium in Pretoria bringt ein Beispiel: Ford beschäftigt in Südafrika 4000 Mitarbeiter - zwei Prozent der Ford-Mitarbeiter weltweit. Spart aber Ford die Außenstelle ein, trifft das die Südafrikaner hart: "Wenn einer in Europa den Job verliert, sind davon zwei oder drei Menschen unmittelbar betroffen. In Südafrika sind es sieben", sagt Le Roux. Beschäftigungsmaßnahmen in Europa helfen also auch Zulieferern in Südafrika.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 22 Prozent, Experten sprechen von 40 Prozent. Südafrika erwirtschaftet 23 Prozent des gesamten afrikanischen BIP (ohne Öl: 50 Prozent) und 21,2 Prozent der gesamten afrikanischen Exporte. Viel verspricht man sich von der Fußball-WM 2010: In den Ausbau der Infrastruktur - Stadien, Straßen, Flughäfen - hat man schon 13 Millionen Euro investiert.

Aus österreichischer Sicht spreche nichts dagegen, nach Südafrika zu expandieren, sagt Stefan Pistauer, Handelsdelegierter in Johannesburg, vor allem im Gesundheits-, dem Energiesektor und dem Infrastrukturbereich. "Dazu kommt, dass die Immobilien derzeit günstig sind." (Marijana Miljkoviæ, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.03.2009)