Wien/Belgrad/Budapest - Die zehntägigen Verhandlungen der serbischen Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sind am Donnerstag erfolgreich abgeschlossen worden. Serbien erhält einen Kredit in Höhe von umgerechnet drei Milliarden Euro, wobei 2,2 Mrd. Euro schon heuer zur Verfügung stehen werden.

Mit dem Kredit soll ein Strukturanpassungsprogramm der serbischen Regierung finanziert werden, verkündeten die serbische Regierung und Vertreter des IWF in Belgrad. Der über 27 Monate laufende Kredit ersetzt eine frühere IWF-Finanzzusage an Belgrad.

Serbien hat sich im Rahmen der Kreditvergabe verpflichtet, einen strikten Sparkurs zu fahren: Unter anderem sollen Pensionen und Gehälter im öffentlichen Sektor mindestens 18 Monate lang nicht erhöht werden. Offenbar sind Einsparungen in Höhe von 780 Millionen Euro geplant.  Nach Ungarn, Lettland, Rumänien und der Ukraine ist Serbien das fünfte Land, das einen IWF-Kredit in Anspruch nehmen muss.

Wie inzwischen bekannt wurde, wird die Budapester Regierung einen Teil des IWF-Kredites an die zwei einzigen mehrheitlich ungarischen Banken weitergeben. Die beiden Bankhäuser OTP und FHB bekommen laut Budapester Finanzministerium eine Liquiditätszufuhr von umgerechnet 1,91 Milliarden Euro. Die erste Tranche soll bereits am 1. April überwiesen werden, die Aktien des ungarischen Marktführers OTP setzten zu einem Kurssprung an und legten um 3,6 Prozent zu.
OTP erhält laut der Vereinbarung mit 1,41 Milliarden Euro den Großteil des Geldes. Die Kapitalzufuhr erfolgt über einen Kredit in vier Währungen (Euro, US-Dollar, Japanische Yen und britische Pfund). 

Marktübliche Kreditkonditionen

Um mögliches Gerede über marode Banken zu vermeiden, betonte Ferenc Pichler, Sprecher des Budapester Finanzministeriums im STANDARD-Gespräch, dass die Banken die Kredite zu marktüblichen Konditionen erhalten. "Das ist kein Bankenhilfspaket wie in Westeuropa". Die Regierung wolle mit der Kapitalzufuhr die Inlandskreditvergabe ankurbeln. Die OTP wurde daher verpflichtet, die Hälfte des ihr vom Staat zugestandenen Kredites in Form von Krediten an Klein-und Mittelbetriebe weiterzugeben. Bei den Analysten in Budapest wird derStaatskredit begrüßt, aber als vermutlich unzureichend eingestuft. Die ungarischen Banken kämen noch schwerer an Geld heran als die Kreditinstitute im Westen, sagte Tamas Kopik, vom Forschungsinstitut GKI in Budapest dem STANDARD. Er rechnet mit weiteren "Staatskrediten". 

Unterdessen sollen Experten des IWF österreichische Banken zum Verbleib in Rumänien auffordern. Hierzu wollten IWF-Vertreter am Donnerstag nach Wien reisen, um Vertreter der Erste Group Bank und Raiffeisen International zu treffen, die beide stark in dem Land engagiert sind. Den Banken soll eine Reduzierung der Fremdwährungsreserven angeboten werden, die sie bei der Notenbank hinterlegen müssen. Im Gegenzug sollen sie sich verpflichten, ihre rumänischen Ableger weiter finanziell zu unterstützen. (szi, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2009)