Bratislava - Die slowakischen Tageszeitungen kommentieren am Montag den Ausgang der Präsidentenwahl. In einer Stichwahl besiegte Amtsinhaber Ivan Gasparovic, unterstützt von links-nationalen Koalition, am Samstag seine Herausforderin Iveta Radicova, die Kandidatin der Mitte-Rechts-Opposition, mit 55,5 zu 44,5 Prozent der Stimmen. Im Folgenden Wortlautauszüge:

"Pravda" (liberal):

"(Premier Robert) Fico hat die Auseinandersetzung um den Sieg von Ivan Gasparovic gewonnen. Aber sein Traum von 'neuen Wählern', die er nach Parlamentswahlen 2006 erworben haben sollte, ist gescheitert. In den Umfragen hat Smer (Ficos linksgerichtete Partei; Anm.) die Unterstützung von 47 Prozent, zusammen mit den Koalitionspartnern sogar 70 Prozent. Es hat sich gezeigt, dass die Kräfteverhältnisse heute vergleichbar mit dem Ausgang der Parlamentswahl im Jahr 2006 sind."

"Sme" (konservativ-liberal):

"Das Ergebnis des Wahlkampfs ist eine Vertiefung der ethnischen Spaltung des Landes und der weitere Rückzug der zivilgesellschaftlichen Prinzipien. Das kann nicht überraschen, denn das Spiel mit der ungarischen Karte ist zur Stütze der Politik der Koalition und des alten/neuen Präsidenten geworden, und beide werden diese Politik fortsetzen." [Anmerkung: Radicova lag in den südslowakischen Regionen, wo die ungarische Wähler überwiegen, voran.]

"Hospodarske noviny":

"Die Unterstützung von Wählern ist leichter zu erwerben als die Unterstützung von Parteistrukturen, besonders wenn diese eng mit dem derzeitigen Vorsitzenden (Ex-Premier) Mikulas Dzurinda verbunden sind. Für den Posten des Parteivorsitzenden (der Slowakischen Demokratischen und Christlichen Union/SDKU) ist Iveta Radicova - wie allerdings die Mehrheit der Intellektuellen - schwach gerüstet. Auf der anderen Seite ist eine Person, die es schaffte, fast ein Million Stimmen zu bekommen zu billig, um nur in einer Experten-Position für Sozialangelegenheiten zu bleiben. So ist Mikulas Dzurinda mit einem schweren Dilemma konfrontiert." (APA)