Lübeck - Nach dem Tod von drei deutschen Realschülern nach einem Trinkgelage in einem südtürkischen Hotel hat die türkische Justiz am Montag zwei Verdächtige in Haft genommen. Es handele sich um leitende Angestellte des Hotels im Ferienort Kemer, in dem Ende März das tödliche Trinkgelage stattfand, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi am Abend. Bei einer Überprüfung hatten die Behörden demnach gepanschten Alkohol in dem Hotel gefunden.

Laut Anadolu wurden der für Speisen und Getränke in dem Hotel zuständige Manager und der Chefeinkäufer des "Anatolia Beach Hotels" in Untersuchungshaft genommen. Ende März waren Mitglieder einer Besuchergruppe eines Lübecker Schulzentrums nach einem Trinkgelage in dem Hotel ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der 21-jährige Rafael N. starb noch im Hotelzimmer, er hatte nach Angaben der deutschen Staatsanwaltschaft eine tödliche Menge Methanol im Blut. Zwei weitere Mitglieder der Schülergruppe starben nach ihrer Verlegung in die Bundesrepublik. Methanol kommt häufig in gepanschtem Alkohol vor.

37 Alkohol-Proben

Anadolu meldete, nach den Ereignissen hätten die Behörden insgesamt 37 verschiedene Alkohol-Proben in dem Hotel genommen. In einer Probe sei ein hoher Methanol-Anteil festgestellt worden. Nach einem Bericht der Zeitung "Milliyet" wird der Alkohol-Lieferant des Hotels derzeit mit Haftbefehl gesucht.

Im Fall des bereits in der Türkei gestorbenen 21-jährigen Rafael N. soll geklärt werden, ob dieser bei rechtzeitiger Hilfe hätte gerettet werden können. Zum Zeitpunkt der Aufnahme der anderen beiden Schüler hätten sich diese seit Tagen im Koma befunden und seien maschinell beatmet worden, teilte die Uniklinik in Lübeck mit. Zahlreiche klinische und apparative Untersuchungen hätten ergeben, dass bei beiden Patienten eine schwerste Hirnschädigung mit komplettem, unumkehrbarem Ausfall aller Hirnfunktionen vorgelegen habe. Nach Abschluss der Untersuchungen habe man am Samstag bei beiden den Hirntod diagnostiziert.

Der "Spiegel" berichtete am Wochenende vorab, Rafael N. habe nach Erkenntnissen türkischer Ermittler fast 20 Stunden in seinem Bett gelegen, bevor seine Zimmertür geöffnet wurde. Der Rechtsanwalt der Eltern, die Anzeige gegen Unbekannt erstattet haben, halte es daher für entscheidend, den genauen Todeszeitpunkt zu ermitteln. Sollte Rafael N. erst kurz vor seinem Auffinden gestorben sein, mutmaße Anwalt Frank-Eckhard Brand, hätte man ihm vielleicht noch helfen können. Geklärt werden soll auch, wer den Wodka hergestellt und verkauft hat. An der türkischen Riviera sollen geschmuggelte und gepanschte Spirituosen oft im Handel sein. (APA/AFP/ag.)