Pretoria - Gut zwei Wochen vor den Wahlen in Südafrika ist ein Korruptionsverfahren gegen den aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Präsidenten, Jacob Zuma, eingestellt worden. Die Staatsanwaltschaft in Pretoria ließ am Montag die Vorwürfe gegen den Chef der Regierungspartei ANC fallen. Das Verfahren wurde jedoch nicht aus Mangel an Beweisen eingestellt, sondern wegen Manipulationsversuchen im Verfahrens durch Ermittler.

Es sei "weder möglich noch wünschenswert", das Verfahren gegen den 66-Jährigen fortzusetzen, sagte der Leiter der nationalen Strafverfolgungsbehörde NPA, Mokotedi Mpshe. Zumas Anwälte hätten seiner Behörde Mitschnitte von Telefonaten zukommen lassen, die bewiesen, dass der frühere NPA-Chef Bulelani Ngcuka und der damalige Chef der Elite-Ermittlungseinheit Scorpions, Leonard McCarthy, politischen Nutzen aus den Vorwürfen gegen Zuma schlagen wollten.

Mpshe betonte, dass die achtjährigen Ermittlungen nicht wegen der Beweislage gegen Zuma beendet worden seien, sondern wegen McCarthys Fehlverhalten. Der Ermittlungschef habe das Verfahren durch "reinen Missbrauch" verdorben. Der Prozess gegen den Präsidentschaftskandidaten sollte im August beginnen. Durch die Entscheidung der Staatsanwaltschaft wurde ein jahrelanges juristisches Tauziehen beendet. Zuma wurde verdächtigt, Bestechungsgelder von einem südafrikanischen Tochterunternehmen des französischen Waffenherstellers Thales angenommen zu haben, als er von 1999 bis 2005 Vize-Präsident war.

Er war unter anderem wegen Betrug, Geldwäsche und kriminellen Machenschaften angeklagt. Seine Anhänger sahen darin ein Komplott des früheren Präsidenten Thabo Mbeki, der von Zuma zum Rücktritt gedrängt worden war.

Die Einstellung des Verfahrens wurde von ANC-Anhängern mit Jubel aufgenommen. Im Zentrum von Johannesburg tanzten rund 500 Menschen vor Freude und skandierten Parolen wie "Zuma, mein Präsident".

Oppositionspolitiker kritisierten dagegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Der Volkskongress (COPE), eine ANC-Abspaltung, sprach von einem "Schlag" für die Demokratie in Südafrika. Die liberale Oppositionspartei Demokratische Allianz warf den Justizbehörden vor, sich politischem Druck gebeugt zu haben.

In Südafrika wird am 22. April ein neues Parlament gewählt, das dann den neuen Staatschef bestimmt. Dabei sieht sich der ANC erstmals seit Anfang der 90er Jahre mit einer starken Opposition konfrontiert. Seit dem Ende der Apartheid hatte der ANC stets mehr als 60 Prozent der Wählerstimmen erhalten. COPE hat sich wegen des internen Zwistes zwischen Zuma und Mbeki vom ANC abgespalten und macht diesem Konkurrenz. (APA)