Wien - Schon bald könnten die heimischen Tageszeitungen vorübergehend nicht erscheinen - die österreichischen Drucker drohen mit Streik. Die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) und dem Verband Druck & Medientechnik über den von den Arbeitgebern aufgekündigten Kollektivvertrag sind gescheitert, die Arbeitnehmervertreter wollen "betriebliche Streik- und gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen" beantragen, teilten sie am Montag in einer Aussendung mit. Betroffen davon wäre vor allem die Tageszeitungsbranche.

Möglicher Streik nach Ostern

Franz C. Bauer, Präsident der Journalistengewerkschaft, geht davon aus, dass der Streik nach Ostern stattfinden könnte, sollte man sich nicht noch in letzter Minute einigen können. "Niemand streikt mutwillig und gerne, vor allem nicht in Zeiten wie diesen", so Bauer. Die Gewerkschaft sieht sich allerdings zu Maßnahmen gezwungen, nachdem die Arbeitgebervertreter einen Kompromissvorschlag abgelehnt hatten. Ab sofort sollen daher in einer ersten Maßnahme die vorübergehend unterbrochenen Protest-Betriebsversammlungen wieder aufgenommen werden.

Der Verband Druck & Medientechnik hatte den Drucker-Kollektivvertrag im Dezember einseitig gekündigt. Laut Gewerkschaft fordert der Verband eine lineare Einkommenskürzung von zehn bis 13 Prozent. Die Arbeitnehmervertreter seien in ihrem Kompromiss-Modell unter anderem bereit gewesen, Zulagenkürzungen bei gleichzeitiger Anhebung der Gehälter um 3,4 Prozent in Kauf zu nehmen. "Die Verhandlungskurie der Arbeitgeber verweigert eine mäßig Lohn- und Gehaltserhöhung für ihre Beschäftigten 2009 und fordert zugleich bei den Druckern über 27 Prozent Einkommenskürzung", schilderte die Gewerkschaft die Situation.

Der Verband Druck & Medientechnik wollte sich auf APA-Anfrage vorerst nicht äußern. Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) erinnerte die Drucker in einer ersten Stellungnahme zur Verantwortung gegenüber anderen Angestellten der Zeitungsbranche. "Es geht in einer solch schwierigen wirtschaftlichen Situation für Zeitungen ja nicht nur um die Drucker selbst", so Hannes Schopf vom VÖZ. Auch Journalisten und kaufmännische Zeitungsangestellte und deren Arbeitsplätze wären von diesen Maßnahmen betroffen.

Franz Bittner, der Vorsitzende-Stellvertreter der GPA-djp, betonte im APA-Gespräch, er wolle gegebenenfalls den Streik "so demokratisch wie möglich führen". Das heißt, die Gewerkschaftsmitglieder sollen zuvor auf ihre Bereitschaft hin befragt werden. (APA)