Nairobi - Kenias Justizministerin Martha Karua (51) ist am Montag zurückgetreten. "Meine Position als Ministerin ist unhaltbar geworden nach den jüngsten Ereignissen", zog Karua als erstes Regierungsmitglied der seit dem Vorjahr im Amt befindlichen Regierung der nationalen Einheit einen Schlussstrich. In der vergangenen Woche hatte Staatsoberhaupt Mwai Kibaki laut lokaler Medienberichte neue Richter ernannt, ohne dies mit Karua zu beraten.

Karua macht sich für Reformen der Justiz in dem ostafrikanischen Land stark und hatte jüngst angekündigt, sich um die Präsidentschaft bewerben zu wollen. Ihren Aufruf an Höchstrichter Evans Gicheru, zurückzutreten, quittierte Kibaki offenbar, indem er Gicheru sein volles Vertrauen aussprach.

Nach der umstrittenen Wiederwahl von Kibaki Ende 2007, die das Land an den Rand eines Bürgerkriegs brachte, war Karua Kibakis Chefunterhändlerin in den wochenlangen Verhandlungen mit dem damaligen Oppositionschef und jetzigen Ministerpräsidenten Raila Odinga. Unter Vermittlung des früheren UNO-Generalsekretärs Kofi Annan kam eine Koalitionsregierung zustande, in der sie weiter Justizministerin blieb.

Trotz ihres Rücktritts will Karua im Hinblick auf das angestrebte Präsidentenamt "Kurs halten" und auch weiterhin gegen die bis in höchste Regierungskreise reichende Bestechung vorgehen, wie sie am Montag sagte. "Jetzt darf ich allem vollkommen widersprechen, das gegen Reformen ist und das auf Undurchsichtigkeit, Korruption und mangelnde Transparenz hindeutet", so Karua. Erst im Vormonat machten die Kenianer bei Krawallen in Nairobi ihrem wachsenden Ärger über die Einheitsregierung und den Stillstand bei wichtigen Reformvorhaben Luft. (APA/Reuters)