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Til Schweiger betreut Jungschauspielerinnen.

AP Photo/Hermann J. Knippertz

Während sich im ORF beim Wetttanzen im fünften Aufguss langsam Erschöpfungstendenzen bei der Quote abzeichnen, bewegt sich das Genre Castingshow weg von den bekannten Disziplinen Singen und Tanzen hin zu kreativeren Ausbildungsideen.

  • Das Zeug zum Kanzler können Nachwuchspolitiker im ZDF erwerben. Wo sonst Politiker bei Umfragen zu den unbeliebtesten Berufsbildern zählen, will mit medialer Beachtung plötzlich jeder: Das ZDF freut sich über 2500 Bewerbungen zu Ich kann Kanzler am 21. Juli. Vorausscheidungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Hans-Dietrich Genscher sagte als Juror zwar ab, Ex-Bürgermeister Henning Scherf sowie die Showgrößen Anke Engelke und Günther Jauch springen in die Bresche. Vier auserwählte Jungpolitiker müssen vor ihnen bestehen. Ich kann Kanzler orientiert sich am kanadischen Vorbild, das seit 2005 Premierminister sucht.
  • Showstars bildet ab Sommer Pro Sieben aus. Quotenerfolge mit Germany's Next Topmodel spornten an. Heidi Klums Rolle der Spielleiterin übernehmen Verona Pooth und DJ Bobo. Künstler, Jongleure, Akrobaten, Tänzer, Sänger sollen Ausgefallenes auf der Bühne vorzeigen. Die Gewinner sollen bei der Europatournee des DJs ihr Bestes geben.
  • Hollywoodstars sucht RTL. Schauspieler Til Schweiger (Keinohrhasen) verfügt über genügend internationale Erfahrungen, um Möchtegernfilmsternchen den richtigen Schliff zu geben. Das geht anscheinend nur mit Frauen. Schweiger betreut zwölf junge Miminnen in einer WG in Hollywood und ist gleichzeitig neben Schauspielcoach Bernard Hiller Juror. Zu gewinnen gibt es eine - für die Siegerin womöglich einzige - Hollywoodrolle. Der Sieg beim Kanzlercasting verhilft nur sehr indirekt zum Einstieg in die Politkarriere: 16.000 Euro Prämie, zu konsumieren ist sie zweckgebunden - etwa für politische Bildungsreisen. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 8.4.2009)