Krisenfeste Kinder-schuhe: Was für das Geschäft mehr zählt als die Konjunktur, sind Wetter und Geburtenrate.

Foto: Superfit

Wien - Sein Großvater war Schustermeister, er selbst sei mit dem Geruch von Leder und Leim des eigenen kleinen Betriebes aufgewachsen, sagt Rudolf Hampl. Das Handwerk gelernt hat er nicht, der Branche treu geblieben ist er dennoch.

Der gebürtige Bayer führt einen der größten europäischen Kinderschuherzeuger mit Sitz in Graz. Legero tritt mit jährlich rund vier Millionen Paar Schuhe gegen Konzerne wie Geox und Ecco an. Das Vorjahr brachte einen Umsatz- und Gewinnrekord, Schritt für Schritt wagen sich die Steirer in neue Märkte vor. "Wir wollen unsere Spuren in ganz Europa hinterlassen."

Dabei sollte es das Unternehmen gar nicht mehr geben. Der Konzern Leder & Schuh rund um die Marke Humanic verlegte sich vollständig auf den Handel. Die Kinderschuhfabrik in Feldbach passte nicht ins Konzept, Verluste schrieb sie obendrein. Ihr Chef Stefan Stolitzka erwarb vor 15 Jahren alle Anteil, baute die Produktion in Ungarn neu auf und erweiterte sie später um ein Werk in Rumänien. Entwicklung, Einkauf und Vertrieb blieben in Ös- terreich. Ebenso 130 der 830 Mitarbeiter.

"Wir standen lang im Schatten der Marke Elefanten", erzählt Hampl. Doch dann wurde das Kinderlabel an den Diskonter Deichmann verkauft. Fachhändler, die der Billigkette nur wenig abgewinnen können, hätten sich wieder an Legero erinnert. "Wir haben die Zahl unserer Vertriebspartner in der Folge allein in Deutschland auf 2000 verdoppelt." Mit den Marken Legero, Superfit und Think wollen die Steirer heuer 111 Mio. Euro umsetzen, 50 waren es vor vier Jahren.

Die Konjunkturkrise belaste die Geschäfte nur bedingt, ist Hampl überzeugt. Mehr Einfluss hätten Witterung wie die Geburtenrate. Und letztere steigt.

Neben Ungarn und Rumänien lässt der Betrieb in Asien fertigen. Davon, die Produktion komplett aus Europa abzuziehen, hält Hampl wenig. Der Vorteil der Nähe sei nicht aufzuwiegen, der Lohnkostenvorteil werde jährlich kleiner. Partner im Hintergrund ist der europäische Schuhriese Ara. Er hält 49,9 Prozent der Anteile an Legero. Für Einzelkämpfer sei das Pflaster in der Branche zu hart, sagt Hampl. Die restlichen 50,1 Prozent sollen in privater Hand bleiben.

Widrige Zeiten hinter sich hat Österreichs zweiter Kinderschuh-Hersteller, Richter. Eine französische Tochter riss Teile der im Besitz von Georg Kapsch stehenden Firmengruppe in den Zwangsausgleich. Seither wird der Schuherzeuger saniert. Er schloss ein Werk in Ungarn, trennte sich von allen Marken bis auf Richter und ist heute halb so groß wie vor der Krise. "Es waren harte Jahre, wir sind oft tot gesagt worden", sagt Unternehmenschef Alf Netek, "aber wir leben noch und fassen wieder Tritt". Als Rivalen sieht er Legero nicht. "Unsere Gegner sitzen in China." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7..4.2009)