Seismologe Edmund Fiegweil

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STANDARD: Lassen sich Erdbeben präzise voraussagen?

Edmund Fiegweil: Es gibt leider keine Möglichkeit, Erdbeben verlässlich vorherzusagen. Man kann statistische Aussagen treffen. Das bedeutet, es lässt sich von der Anzahl und Stärke der Beben in der Vergangenheit vielleicht ableiten, dass ein schweres Beben bevorsteht. Der genaue Zeitpunkt, der Ort und die Stärke sind aber nicht vorhersehbar.

STANDARD: Warum ist das nicht genauer möglich?

Fiegweil: Dazu müsste die Spannung der Erdkruste gemessen werden und das etwa auf jedem Kilometer. Zusätzlich müsste man die Bruchfestigkeit des Gesteins im betroffenen Gebiet kennen. Wann es zum Beben kommen könnte, wäre trotzdem unklar: Die Spannung kann sich über Jahrzehnte aufbauen. Etwas anderes sind Tsunami-Frühwarnsysteme, die nach einem Beben im Meer vor der Flutwelle warnen. Diese bewegt sich zirka mit der Geschwindigkeit eines Fliegers Richtung Festland.

STANDARD: Wie kann man sich dennoch schützen?

Fiegweil: Das Sicherste ist, erdbebensicher zu bauen. Was für einen Unterschied das machen kann, wurde in den Siebzigern deutlich, als es in Armenien und kurz später in gleicher Stärke in Kalifornien ein Beben gegeben hat. In Kalifornien gab es 60 Tote, in Armenien 50.000 Tote.(Gudrun Springer/DER STANDARD-Printausgabe, 7.4.2009)