Arbeitsgerät eines aufgeklärten Monarchen: die Handdruckpresse Josephs II.

Foto: Technisches Museum Wien

Eisenstadt/Wien - Was denn, bitte, an Haydn explosiv sein soll? - Diese Frage musste sich auch Herbert Lachmayer vom Wiener Da-Ponte-Institut erst einmal stellen, als er im Dezember des vergangenen Jahres den Auftrag erhielt, eine Ausstellung - wie er selbst es nennt - "aus dem Boden zu stampfen".

Klar war durch den vorgegebenen Titel schon von Anfang an, dass man - wie alle, die es mit dem Haydn-Jahr ernst meinen - vom Klischee des "Papa" Haydn wegkommen wollte - auch wenn diese Anrede für seinen väterlichen Freund schon von Mozart verwendet wurde und da wohl respektvoll und keineswegs verharmlosend gemeint war.

Notendruck für ganz Europa

Was er vor allem zeigen will, bringt Lachmayer mit Elan auf den Punkt: "Haydn war im Grunde ein Typ, der die meiste Zeit in Eisenstadt gesessen ist und von dort aus die ganze europäische Welt durch den Notendruck erreicht hat. Er war irre in der Wahrnehmung des Musikmarktes mit seinem Notenboom - ein strukturbildendes Genie, das die Geschmacksintelligenz seiner Zeit geprägt hat."

Diese "Karrierestrategie" steht für den Ausstellungsmacher denn auch im Zentrum seiner in nur viermonatiger Arbeit entstandenen Schau, die dennoch mit rund 160 Leihgaben aufwartet und einige noch nie gezeigte Objekte aus der Fürstlichen Stiftung Esterházy oder wertvolle Musikautografe umfasst.

Es geht Lachmayer aber auch darum, die Modernität von Haydns Zeit in Kultur und Alltag fassbar zu machen, indem er etwa jene erste Dampfmaschine in Erinnerung ruft, die einst im Eisenstädter Schlosspark betrieben wurde. Und es geht ihm ebenso darum, mit der Präsentationsform der Ausstellung neue Wege zu beschreiten - mit neugestalteten Tapetenmustern, die historische Vorbilder aufgreifen, einem Teppich des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein und wechselnden Videoprojektionen.

"Frech, bunt und farbenfroh" möchte die Schau, so ihr Kurator, sein und zugleich "gemütlich, populär und angenehm" erscheinen, um als "inszenierter Wissensraum" allen Publikumsgruppen etwas zu bieten - übrigens auch den Jüngsten, für die es unterhalb der Monitore für die Erwachsenen eigene Kindermonitore gibt.

Anglomanie im Burgenland

Mit Händen zu greifen wird Geschichte durch Exponate wie die Druckerpresse Josephs II., der wie alle Erzherzöge einen Handwerksberuf erlernen musste, oder den Spaten von Kaiser Franz II./I.

Von da spannt sich der Bogen der Schau zum englischen Garten - und zur Mode der Anglomanie um 1800. Von dieser wurde auch Haydns Arbeitgeber Nikolaus II. erfasst, der englischen Lebensstil ins Burgenland brachte - und damit vielleicht auch Haydns Reiselust geweckt hat. (daen, DER STANDARD/Printausgabe 7.4.2009)