Düsseldorf - Der deutsche Lebensmittel-Diskonter Lidl hat nach dem jüngsten Daten-Skandal seinen Deutschland-Chef Frank-Michael Mros von seinen Aufgaben entbunden. Nachfolger solle der 59-jährige Jürgen Kisseberth werden, der bereits seit zwei Jahrzehnten in leitenden Funktionen bei Lidl tätig sei.

Der Konzern hatte am Wochenende eingeräumt, Informationen über die Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen festgehalten zu haben. Diese persönlichen Daten sind nach Darstellung von Lidl genutzt worden, um die Mitarbeiter ihrem Gesundheitszustand entsprechend einzusetzen. "Dabei wurden Informationen erfasst, die persönliche Belange berücksichtigten", gestand der Konzern ein. Dies sei "nicht datenschutzkonform" gewesen. Kritik an der Praxis kam unter anderem vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar. Der Grund einer Erkrankung gehe den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an.

Lidl erklärte, die Arbeit mit den Listen sei im Zuge der Umsetzung des neuen Datenschutzkonzepts zum Jahresende 2008 eingestellt worden. Der Konzern überprüfe seit dem vergangenen April alle Geschäftsprozesse gewissenhaft und überarbeite sie gegebenenfalls, versicherte der Lidl-Berater und ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob.

Vergangenes Jahr war bekanntgeworden, dass Lidl mit Hilfe von Detekteien unter anderem das Privatleben von Angestellten hatte ausforschen lassen. Der Diskonter musste deswegen knapp 1,5 Mio. Euro Strafe zahlen. (APA/Reuters)