Istanbul - Der Nahost-Konflikt ist aus Sicht des Hohen Vertreters der Vereinten Nationen für die "Allianz der Zivilisationen", des ehemaligen portugiesischen Staatspräsidenten Jorge Sampaio, eines der größten Hindernisse für einen friedlichen Dialog zwischen dem Westen und der islamischen Welt. "Dieser Konflikt beeinflusst alles, was in dieser Region geschieht, auf sehr negative Art und Weise", sagte Sampaio am Dienstag im Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur in Istanbul. Jeder, der sich mit dem Thema befasst habe, wisse, dass die Gründung eines palästinensischen Staates der einzig gangbare Weg sei. "Doch die Zeit vergeht, ohne dass es irgendwelche Fortschritte gibt", erklärte der frühere Präsident Portugals.

Die Elemente für einen Frieden zwischen Israel und den Arabern seien bekannt, betonte er: "Alles ist bereits ausreichend diskutiert worden, es fehlen nur noch einige Detailfragen und der politische Wille." Er hoffe, dass die neue US-Regierung den ins Stocken geratenen Friedensprozess nun wieder in Gang bringen werde. Auf die Frage, was er von der neuen israelischen Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erwarte, sagte Sampaio: "Kein Kommentar."

Türkei als Brücke

Es sei richtig, dass US-Präsident Barack Obama in seiner Rede vor dem türkischen Parlament in Ankara am Montag die Rolle der Türkei als Brücke zwischen Ost und West angesprochen habe. "Wir können es uns nicht erlauben, die Türkei nicht in die Europäische Union aufzunehmen", fügte Sampaio hinzu.

Die "Allianz der Zivilisationen" geht auf eine Initiative des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und des spanischen Regierungschefs José Luis Rodríguez Zapatero zurück, die von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon unterstützt wird. Ziel der Allianz ist es, vorwiegend junge Menschen von beiden Seiten des Mittelmeers zusammenzubringen, um Vorurteile abzubauen und Kooperationen zu fördern. Österreichs Außenminister Michael Spindelegger hat die Allianz eingeladen, ihr Jahrestreffen im Jahr 2012 in Wien abzuhalten. "Der Dialog über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit", sagte Spindelegger am Montag in Istanbul auf der zweiten Jahreskonferenz dieses Forums für die Verständigung zwischen dem Westen und der islamischen Welt. Die Allianz, die 2005 auf Initiative von Spanien und der Türkei unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen gegründet wurde, umfasst derzeit 83 Staaten und 17 internationale Organisationen. (APA/dpa)