Minsk - Die belarussische Polizei hat Dienstag das Büro der größten Oppositionspartei durchsucht und dabei Computer und Möbel beschlagnahmt. Oppositionspolitiker Alexander Milinkewitsch erklärte, dies schade den Versuchen der Regierung, die Beziehungen zum Westen zu verbessern. Milinkewitsch sah zu, wie Polizisten Computer, Möbel, Spiegel, Küchenschränke, einen Kühlschrank und einen Leuchter aus der Wohnung trugen, die der Bewegung "Für die Freiheit" von Milinkewitsch in Minsk als Büro dient.

Die Polizisten zeigten den Angaben zufolge Anordnungen vor, die im Zusammenhang mit der Verhaftung des Sohns des Besitzers der Wohnung stehen. Milinkewitsch sah darin aber nur ein Mittel, um seine Oppositionsgruppe unter Druck zu setzen.

"Letzte Diktatur"

Der autokratisch herrschende Präsident Alexander Lukaschenko ist in Belarus (Weißrussland) seit 1994 an der Macht. Wegen seines Vorgehens gegen Oppositionelle wird Belarus im Westen gelegentlich als "Europas letzte Diktatur" bezeichnet. Offenbar aus Sorge, dass sein Land zu stark von Russland abhängig werden könnte, hat Lukaschenko zuletzt Versuche gestartet, sich dem Westen etwas anzunähern. So wurde etliche Personen freigelassen, die als politische Gefangene eingestuft wurden.

Der EU-Ministerrat in Luxemburg hatte am Montag förmlich den Start eines Menschenrechtsdialogs mit Belarus beschlossen. Vorgesehen sind Treffen "mindestens einmal pro Jahr". Die Verhandlungen sollen wechselweise in der EU oder in Belarus stattfinden. Die EU will am 7. Mai eine Ost-Partnerschaft mit sechs ehemaligen Sowjet-Republiken gründen, zu der auch Belarus gehören soll. Umstritten ist noch eine Einladung an Lukaschenko. (APA/AP)