Der Unterschied zwischen SPÖ und ÖVP machte gerade einmal 15.801 Stimmen aus. 2004 kam die SPÖ bei der EU-Wahl auf 33,3 Prozent der Stimmen, die ÖVP auf 32,7 Prozent. "Die ÖVP kann Erster werden" , ist deren Generalsekretär Fritz Kaltenegger überzeugt. In allen Umfragen ist die ÖVP knapp hinter der SPÖ, wenn nicht gleichauf. Die Stimmung für die ÖVP als selbsternannte und hartnäckig positionierte "Europa-Partei" sei durchaus günstig. In Zeiten der Krise steige die Zustimmung zu Europa, sagt Kaltenegger und verweist auf entsprechende Umfragen. Tatsächlich haben sich in Österreich die Sympathiewerte der EU in jüngster Zeit erholt.

Die ÖVP hat aber das gleiche Problem wie alle anderen Parteien auch. Sie kämpft mit der Schwierigkeit, die eigenen Wähler zu mobilisieren. So stark ist die Zustimmung zur EU dann auch wieder nicht, dass 35 Prozent, wie eine Umfrage das ausweist, eine realistische Größe sind.

Das größere Mobilisierungsproblem hat aber mit Sicherheit die SPÖ. Theoretisch haben die Sozialdemokraten gute Werte - aber vor allem bei jenen Leuten, die aus jetziger Sicht gar nicht zur Wahl gehen werden. Bundeskanzler und Parteichef Werner Faymann versucht daher mit einem betont EU-kritischen Kurs die eigene Gefolgschaft anzusprechen und der FPÖ das Wasser abzugraben.

"Es stimmt, von den sicher zuordenbaren Wählern schneiden wir auf EU-Ebene etwas schlechter ab als bei der allgemeinen Frage" , sagt Günther Kräuter, Bundesgeschäftsführer der SPÖ. Ursprünglich hatte man deshalb auch einen frischeren und attraktiveren Spitzenkandidaten als Hannes Swoboda gesucht - ihn aber nicht gefunden. Kräuter blickt der EU-Wahl dennoch unverdrossen entgegen: "Warten Sie es ab" , sagt er, "Swoboda könnte sich bei dieser Wahl noch zu einem richtigen Trumpf entwickeln." Swoboda sei proeuropäisch, aber kritisch, sei kompetent und habe Standing in der EU - was man vom ÖVP-Spitzenkandidaten Ernst Strasser nicht behaupten könne. Sowohl SPÖ als auch ÖVP geben ihr Wahlkampfbudget mit 3,5 Millionen Euro an. ÖVP-Generalsekretär Kaltenegger kündigt einen "plakatlastigen Wahlkampf" an. ÖVP-Obmann Josef Pröll soll auf den Plakaten übrigens nicht zu sehen sein.

Großes Potenzial für FPÖ

Das größte Potenzial, ihr Ergebnis von 2004 zu verbessern, hat zweifellos die FPÖ. Bei der letzten Wahl lag die FPÖ nach parteiinternen Turbulenzen und einem Absturz bei de facto jedem Wahlgang bei nur 6,3 Prozent. Bei der Nationalratswahl 2008 kamen die Freiheitlichen aber immerhin schon auf 17,6 Prozent. Ein Wert, den eine aktuelle Gallup-Umfrage auch für die EU-Wahl im Juni für möglich hält.

Die große Unbekannte ist aber Hans-Peter Martin. Der fraktionslose Abgeordnete kam 2004 auf überraschende 14 Prozent und wurde in Österreich damit drittstärkste Kraft. Martin hat sich angeblich noch nicht entschieden, ob er erneut antreten wird, er will seine Entscheidung erst nach Ostern bekanntgeben. Mit seinem Buch Die Europafalle - Das Ende von Demokratie und Wohlstand ist Martin gut im Gespräch, die Kronen Zeitung druckt Teile seines Buches derzeit als Serie ab.
Die Grünen haben intern die Turbulenzen um den Abschuss von Johannes Voggenhuber noch nicht ganz verdaut, das wirkt sich zum Teil auch in den Umfragen aus. 2004 kamen die Grünen auf knapp 13 Prozent, in aktuellen Umfragen werden sie zwischen acht und 13 Prozent gehandelt. Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek scheint noch nicht im Bewusstsein aller Österreicher angelangt zu sein, sie kämpft mit einem bescheidenen Bekanntheitswert.

Die EU-kritische Partei "Libertas" , die bei den EU-Wahlen in allen 27 EU-Staaten antreten will, hat offenbar Schwierigkeiten, Kandidaten in den einzelnen Ländern zu finden. In Österreich wollte man Anfang März einen Spitzenkandidaten präsentieren, hat diesen aber noch nicht gefunden. (Michael Völker, DER STANDARD-Printausgabe, 8.4.2009)