Der sechste Jahrestag des Falls des Regimes im Irak wurde in Bagdad mit einer Bombenserie begangen. Das Datum ist jedoch nur Katalysator für eine längere Entwicklung: Ein Teil jener ehemals aufständischen sunnitischen Araber, die von den USA mithilfe von Geld "umgedreht" wurden und sich daraufhin gegen Al-Kaida wandten, droht wieder vom politischen Mainstream abzufallen. Manche Gruppen dürften auch von Al-Kaida infiltriert sein.

Schon vor einiger Zeit hat die US-Armee die Verantwortung für die als "Erweckungsräte" oder "Sons of Iraq" (SOI) bekannten, meist tribalen Milizen an die irakische Regierung übergeben. Die sollte sie, so die US-Idee, in die Sicherheitskräfte integrieren, was jedoch nicht klappt: auch deshalb, weil die Schiiten kein Interesse daran haben, Polizei und Armee einen so starken sunnitischen Zuwachs zu bescheren. Stattdessen geht die Regierung gegen kriminelle Elemente und frühere Rebellen vor, die Schwerverbrechen verübt haben. Die Verhaftung von einigen von ihnen führte vorige Woche zu Kämpfen zwischen Polizei und Milizen.

Dazu kommt der niedrige Ölpreis: Ein Teil der Milizionäre sollte in unwirtschaftlichen Jobs durchgefüttert werden, um sie ruhig zu halten. Aber jetzt wird das Geld knapp, das Budget musste drastisch nach unten korrigiert werden. Und jene behalten Recht, die immer vor negativen Folgen des Heranzüchtens von neuen Milizen durch die USA gewarnt haben. US-Präsident Barack Obama wird bei seinem ersten Besuch in Bagdad vorgeführt, dass gut gemeint nicht immer gut ist. Vielleicht kann er Lehren für Afghanistan daraus ziehen. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2009)