Tokio - Der japanische Elektronikkonzern Sharp will trotz höherer Verlusterwartungen seine Produktion rasch modernisieren. Für das gerade zu Ende gegangene Geschäftsjahr veranschlagte der weltweit drittgrößte Hersteller von LCD-Fernsehern nach Samsung und Sony am Mittwoch einen operativen Verlust von 60 Mrd. Yen (452 Mio. Euro). Im Februar war das Unternehmen noch von einem nur halb so hohen Fehlbetrag ausgegangen.

Sharp begründete die tiefroten Zahlen mit dem Preisrutsch bei Flachbild-Fernsehern und deren Bildschirmkomponenten (Panels) sowie mit Kosten für den Konzernumbau. Die Nachfrage erhole sich aber bereits, sagte Konzernchef Mikio Katayama. Daher beschleunige sein Unternehmen auch die Modernisierung seiner Panel-Produktion und ziehe die Eröffnung einer neuen Fabrik um fünf Monate auf Oktober vor. Das 2,9 Mrd. Euro teure Werk im Westen Japans soll durch neue Fertigungstechnik die Herstellungskosten pro Panel deutlich senken. Sharp erwäge auch eine Kooperation mit ausländischen Partnern bei der Produktion, sagte Katayama.

In Deutschland arbeiten die Japaner mit dem Fernseher-Hersteller Loewe zusammen, an dem sie auch einen Minderheitsanteil halten. Loewe baut allerdings die Panels nicht selbst, sondern bezieht sie von Sharp und anderen asiatischen Anbietern wie Samsung und LG

Angesichts der aktuellen Marktschwäche bei Flachbild-Fernsehern nahmen Branchenexperten Sharps Vorstoß für eine Ausweitung seiner Kapazitäten mit Skepsis auf. Die Auslastung der bestehenden Panel-Fabriken steige zwar, liege aber noch immer nur zwischen 70 und 80 Prozent, erklärte Analyst Yuji Fujimori. "Das daran zweifeln, ob der Markt ein zusätzliches Angebot aufnehmen kann." Auch die Anleger sahen die Pläne offenbar kritisch. An der Tokioter Börse gab die Sharp-Aktie um gut sechs Prozent nach. (APA/Reuters)