"Der Migrationshintergrund sagt nichts über die Sprachkompetenz der Kinder aus", so der Wiener Neo-Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch zur Debatte um den hohen Ausländeranteil in Wiens Schulen. Mit der vorzeitigen Schuleinschreibung und dem damit verbundenen rechtzeitigen Erkennen von Defiziten sei man hier auf gutem Wege, "dass die Kinder egal woher sie kommen mit den entsprechenden Kompetenzen ausgestattet in die Schule eintreten."  

Vorteil interkultureller Austausch

Den Migranten-Anteil in den Schulen sieht Oxonitsch auch als Vorteil für die Mitschüler, die vom "interkulturellen Austausch" profitieren. Reine Ausländerklassen, wie die FPÖ fordert, lehnt Oxonitsch ab: "Das beste Lernen findet in der Klasse statt, wenn Kommunkation zwischen Wiener Kindern und Kindern, die aus anderen Ländern kommen, stattfindet." Das stelle auch sicher, dass Kinder möglichst rasch die deutsche Sprache erlernen.

Den Vorwurf, dass die SPÖ auf dieses Problem lange Zeit nicht eingegangen ist, lässt Oxonitsch nicht gelten: Man habe früher ein anderes Konzept mit Begleitlehrern in den Schulen verfolgt. Das sei jedoch von Seiten der schwarz-blau-orangen Bundesregierung sehr stark gekürzt worden. Nun sollen die Klassen mit hohem Ausländeranteil wieder zusätzliche Ressourcen bekommen. Zusätzlich bemühe man sich, den Kindern bewusst zu machen, dass es in der Schule "Spielregeln gibt, die einzuhalten sind." 

Parkbetreuer gegen Gewalt

Außerhalb der Schule setzt der Bildungsstadtrat auf "Konfliktlösungsmodelle in den Parks", um gegen Jugendgewalt anzukämpfen. Hier handle es sich aber um keine "Spielregel-Watcher", sondern man wolle auf bewährte Projekte zurück greifen: "Durch die Spielplatzbetreuung soll den Kindern ein sinnvolles Angebot in den Parks gegeben werden und andererseits auch bei Konflikten rechtzeitig eingegriffen werden." Bei diesen Parkbetreuern handle es sich aber um keine "Miliz", sondern um ein "Miteinander vor Ort mit von den Kindern aktzeptierten Personen".

Auf die Frage, welche Gegenstrategie die Wiener SPÖ zum erwartbaren Wahlkampf der Strache-FPÖ in Sachen hoher Ausländeranteil verfolgt, geht Oxonitsch nicht näher ein. Stattdessen verweist er darauf, dass die SPÖ mit den Förderprogrammen vor Schuleintritt bereits reagiert habe, und damit "eine Antwort gegeben hat". Zur Sanierung von veralteten Schulgebäuden plant die Wiener SPÖ, bis zum Jahr 2017 alle Schulen der Stadt auf einen zeitgemäßen modernen Standard gebracht zu haben. Heuer werden dafür 45 Millionen Euro aufgebracht. 

Für Umverteilungsdebatte

Zur aktuellen roten Umverteilungsdebatte schert Oxonotisch ein wenig von der Linie des SPÖ-Chefs Werner Faymann aus. Entgegen der Absage an eine Grundsatzdiskussion von Seiten des Kanzlers meint Oxonitsch: "Es ist gerade jetzt der Zeitpunkt darüber zu diskutieren, und möglichst starken Druck zu entwickeln, damit die Schere zwischen Arm und Reich geschlossen wird. Das ist an der Tagesordnung und wird bei der Sozialdemokratie immer an der Tagesordnung sein müssen." Oxonitsch spricht sich für eine Vermögenszuwachssteuer aus, räumt aber ein, dass auf Basis des Koalitionsübereinkommens mit der ÖVP eine aktuelle Diskussion nur schwer möglich ist. (rasch, derStandard.at, 9.4.2009)