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Schädel von Opfern der roten Khmer in einer Gedenkstätte bei Phnom Penh

Foto: AP/Sinith

Phnom Penh - Der erste Angeklagte vor der Völkermordtribunal gegen die Roten Khmer in Kambodscha hat schon vor der Machtergreifung der Ultrakommunisten im Jahr 1975 gefoltert. Das sagte der Franzose Francois Bizot als erster Zeuge in dem Prozess am Mittwoch aus. Der Anthropologe war 1971 von den damals noch im Untergrund operierenden Roten Khmer gefangen genommen und als CIA-Spion verdächtigt worden. Er wurde in das Untergrundgefängnis M13 gebracht, das der Angeklagte Kaing Guek Eav, alias Duch, beaufsichtigte.

"Er sagte, er hasse Lügen"

"Duch hat mir zögernd gesagt, dass er manchmal selbst zuschlug", sagte Bizot aus. "Er schlug die Gefangenen, weil ihre Aussagen Widersprüche enthielten, und er sagte, er hasse Lügen." Bizot zeichnete ansonsten ein fast sympathisches Bild von Duch. "Duch hat mich an viele meiner Freunde erinnert, die Marxisten waren und bereit, ihr Leben für die Revolution zu geben", sagte Bizot. "Ich dachte, ich würde auf ein Monster treffen, aber dann wurde mir klar, dass das alles viel tragischer, beängstigender war." Bizot war nach eigenen Angaben zwar angekettet, wurde aber nicht gefoltert.

Duch ist unter anderem wegen Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Er leitete während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 das berüchtigte S21-Foltergefängnis. Dort wurden wahrscheinlich mehr als 15.000 Menschen gefoltert und später auf den sogenannten Killing Fields ermordet. Unter den Roten Khmer kamen bis zu zwei Millionen Menschen um. (APA/dpa)