Den Haag/Banja Luka - Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte ehemalige Präsident der bosnisch-serbischen Republik, Radovan Karadzic, beklagt seine Englisch-Kenntnisse. Diese seien nach Meinung des UNO-Kriegsverbrechertribunals für die Verfahrensbedürfnisse ausreichend. Per Beschluss des im Fall Karadzic zuständigen Senats muss die Anklage daher nicht ihre in englischer Sprache verfassten Unterlagen auch ins Serbische übersetzen. Auch das Sekretariat hat keine Pflicht, seine Beschlüsse zu übersetzen.

Einspruch

Der Tribunalssenat habe seine Entscheidung aufgrund 15 Jahre zurückliegender Beweise gefasst, stellte Karadzic laut dem bosnisch-serbischen Sender RTRS in seinem Einspruch gegen den Beschluss fest. Auch sei die Tatsache ignoriert worden, dass er sich "in den letzten Jahren nur selten der englischen Sprache bedient" habe.

Karadzic war im Juli nach etwa zwölfjähriger Fahndung in Belgrad festgenommen und an das Haager Gericht überstellt worden. Die Anklage wirft ihm in zwei Punkten Genozid sowie andere Kriegsverbrechen während des Bosnien-Krieges (1992-1995) vor. Das Gerichtsverfahren dürfte Ende Juli beginnen. Karadzic, Seelenarzt vom Beruf, will sich selbst verteidigen. (APA)