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Das Handy wird oft zur Waffe für Psychoterror

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Wochenlang wird eine 50-jährige Waldviertlerin von einem Nachtklubbesitzer aus Istanbul telefonisch belästigt. Eine Intervention der Polizei ignoriert der Mann, technische Gegenwehr ist schwer möglich - Von
Michael Möseneder 

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Wien - Auf türkische Telefonnummern reagiert Frau S. mittlerweile allergisch. Der Grund: Sie wird seit rund einem Monat telefonisch belästigt. Von einem Nachtklubbesitzer aus Istanbul. Einem Mann, der angeblich jemand völlig anderen sucht - und sich auch von der Polizei nicht davon abbringen lässt, Frau S.s Handynummer zu wählen.

"Er ruft bis zu 15-mal pro Tag an, teilweise auch in der Nacht", schildert die 50-Jährige dem Standard. "Es läutet zwei, drei Mal. Sobald man abhebt, wird aufgelegt. Ich konnte nicht einmal sagen, ob es ein Anrufer oder eine Anruferin war." Ein Geheimnis, das erst die Exekutive im Waldviertel lösen konnte.

Anzeige

Nach der Anzeige durch das Opfer organisierte man einen türkischstämmigen Ortsbewohner. Der wählte die Nummer - und landete in einem Nachtklub. Dessen Betreiber gab auch unumwunden zu, der Dauertelefonierer zu sein. Er "habe vor längerer Zeit eine Österreicherin kennengelernt, die dann in seinem Nachtklub gearbeitet hat", erzählte er den Beamten.

Namen der Ex-Partnerin konnte er nicht sagen

Sie sei seine Lebensgefährtin gewesen, als sie zurückging, habe sie ihm eine Handynummer gegeben. Die von Frau S., die noch nie in der Türkei gewesen ist. Wie seine Ex-Partnerin hieß, konnte der Mann aber nicht sagen. Die Aufforderung, nicht mehr anzurufen, da sonst eine Anzeige drohe, ignorierte er nicht einmal. Es sei ihm egal, er habe keine bösen Absichten, sondern suche nur den Kontakt mit seiner früheren Freundin, und in der Türkei könne ihm rechtlich ohnehin nichts passieren, erklärte er dem Dolmetscher. Wie hartnäckig der Mann ist, erfuhr die Polizei kurz darauf: Er rief mehrmals das Diensthandy der Beamten an und legte nach zweimaligem Läuten auf.

Kein Sperren einzelner Nummern möglich

Die Polizeiintervention verschaffte Frau S. etwas Ruhe - bis Dienstag, als das Spiel mit einer anderen türkischen Nummer wieder begann. Aus privaten Gründen möchte sie aber auch während der Nacht ihr Handy eingeschaltet lassen. Zu ihrem Ärger gibt es daher wenig Handhabe. Einer der Polizisten versuchte sie zu überzeugen, dass kein strafbarer Tatbestand vorliege, sagt sie. Bei ihrem Handybetreiber, der Mobilkom, wurde ihr beschieden, sie könne nur alle Anrufe aus einem Land sperren lassen, nicht einzelne Nummern.

Mobilkom-Sprecherin Alma Mautner bestätigt das. Was das aber bedeuten würde, wenn der Stalker in einem Land sitzt, in dem man auch andere soziale oder geschäftliche Kontakte hat? Dann wäre wohl nur eine neue Nummer eine Lösung, auch wenn das mit einem Mehraufwand für das Belästigungsopfer verbunden ist. Im aktuellen Fall versuche man aber zu helfen, verspricht Mautner. (DER STANDARD Printausgabe 9.4.2009)