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Der Premier und der Teleprompter: Taro Aso will in den nächsten zwölf Monaten bis zu einer halben Million Arbeitsplätze schaffen.

Foto: AP/Sasahara

Japans Regierung hat am Freitag das größte Konjunkturprogramm in der Nachkriegsgeschichte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt beschlossen. Mit 15.400 Mrd. Yen (117 Mrd. Euro) belaufen sich die direkt wachstumswirksamen Ausgaben auf etwa drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zu den Maßnahmen gehören finanzielle Hilfen für Familien und Arbeitslose sowie Beihilfen für den Kauf umweltfreundlicher Hybridautos und Haushaltsgeräte.

Das Programm übertrifft damit die seit Herbst beschlossenen Konjunkturmaßnahmen um ein Viertel und die europäischen Ausgaben um ein Vielfaches. Das Ziel von Ministerpräsident Taro Aso ist, noch im bis Ende März 2010 laufenden Haushaltsjahr das BIP um zwei Prozent anzuheben und 400.000 bis 500.000 Arbeitsplätze schaffen.
Auslöser des Kraftaktes ist der dramatische Einbruch der japanischen Industrie, die weit stärker von der Weltwirtschaftskrise betroffen ist als jene anderer Länder. Innerhalb eines Jahres sackte Japans Industrieproduktion um fast 40 Prozent ab, weil die Welt weniger Autos, Konsumelektronik und Maschinen kauft.

Düstere Prognosen

Die düstersten Prognosen gehen daher davon aus, dass die Wirtschaft im laufenden Haushaltsjahr ohne staatliche Stützung um bis zu sechs Prozent schrumpfen und die Arbeitslosenrate von 4,4 auf mehr als sechs Prozent steigen könnte. In Japan gilt eine derart hohe Arbeitslosigkeit als inakzeptabel, weil viele Menschen wegen des schlecht ausgebauten sozialen Netzes ohne Arbeit ins soziale Nichts zu stürzen drohen.

Zudem erwischt die Krise nun auch Japans Banken, die bisher als gesund galten. Die Finanzgruppe Sumitomo Mitsui kündete am Donnerstag an, im Ende März abgelaufenen Bilanzjahr 2008 nicht, wie versprochen, 180 Mrd. Yen Gewinn, sondern 390 Mrd. Yen Verlust erzielt zu haben. Die Bank sieht sich nun gezwungen, ihr Kapital um 800 Mrd. Yen aufzustocken. Die Anleger reagierten gestern geschockt: Viele wollten Anteile abstoßen, doch es fanden sich keine Käufer. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12./13.4.2009)