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Präsident Ahmadi-Nejad (li.) will die Einladung prüfen. Direkter Gesprächspartner: die USA, wie von Obama (re.) angekündigt.

Fotos: Reuters, AP

Die USA wollen künftig direkt an Gesprächen über eine Lösung des Atomstreits mit dem Iran teilnehmen. Teheran will das Angebot prüfen - und verkündete am Donnerstag Fortschritte in seinem Atomprogramm. 

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Washington - Die Einladung ist offiziell noch nicht überbracht, das soll der Chefdiplomat der EU, Javier Solana, persönlich übernehmen. Doch die Nachricht, die sie enthalten soll, ließ am Donnerstag aufhorchen. Es ist ein Richtungswechsel, zwar erwartet, aber bis dato nicht konkret: Die Vereinigten Staaten werden in Zukunft direkt und als vollwertiger Partner an Gesprächen zur Lösung des Atomstreits mit dem Iran teilnehmen.

Die fünf Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland wollen Teheran über Solana zu einem Treffen einladen, in dem eine "diplomatische Lösung zu diesem entscheidenden Sachverhalt" diskutiert werden soll. Bisher, und vor allem unter Präsident Barack Obamas Vorgänger George W. Bush, hatte Washington alle direkten Gespräche mit Teheran abgelehnt.

Bereits 7000 Zentrifugen

Die Reaktion aus Teheran: zurückhaltend, aber nicht ablehnend. Man werde die Einladung der sechs Staaten prüfen, erklärte ein hochrangiger Berater von Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad am Donnerstag - just an demselben Tag, an dem der Iran Fortschritte bei seinen umstrittenen Nuklearaktivitäten verkündete: Die iranische Regierung teilte mit, dass in der Atomanlage Natanz bereits 7000 Zentrifugen zur Urananreicherung im Betrieb stünden. Am Donnerstag wurde auch eine neue Atomanlage in Isfahan eingeweiht, in der Uranoxid als Brennstoff für einen geplanten Schwerwasserreaktor hergestellt werden soll.

China, ein enger Wirtschaftspartner des Iran, begrüßte das neue Engagement. "Wir sind glücklich, eine Verbesserung in den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran zu sehen", hieß es aus dem Außenministerium. Peking drängte Teheran und die anderen Staaten, auf eine Lösung des Konflikts hinzuarbeiten.

Vor allem die USA und die Europäische Union verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms heimlich an der Entwicklung von Atombomben zu arbeiten. Teheran weist diese Vorwürfe zurück. Es gebe nichts Wichtigeres, als den Golfstaat davon zu überzeugen, sein Streben nach der Atombombe einzustellen, erklärte Außenministerin Hillary Clinton am Mittwoch.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Robert Wood, hatte gesagt: "Wenn der Iran zustimmt, hoffen wir auf eine Gelegenheit, mit dem Iran ernsthaft zu beraten, wie der Stillstand der vergangenen Jahre überwunden werden kann." Es gelte, "kooperativ daran zu arbeiten, die bestehenden internationalen Sorgen über das Atomprogramm zu überwinden", betonte er. "Jeder Durchbruch wäre das Ergebnis der Anstrengungen aller Seiten, einschließlich des Irans."

Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad hatte Obamas Ruf nach einer atomwaffenfreien Welt begrüßt. "Wir sind bereit, in dieser Hinsicht unseren Beitrag zu leisten." Das Hauptziel müsse aber sein, Länder mit nuklearen Waffen abzurüsten. (red, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 10.4.2009)