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Im April 2004 eröffnete Frank Stronach seine Pferderennbahn in Ebreichsdorf. Die Verluste der Anlage sind seither kaum im Zaum zu halten, dürften rund 100 Millionen Euro betragen.

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Ebreichsdorf - Die Veranstalter von Pferderennen haben es gegenwärtig nicht leicht. In vielen Ländern zählen sie ohnehin nicht unbedingt zu den Favoriten des Sportpublikums. Die Wirtschaftskrise tut nun ihr Übriges. In Deutschland ist der Internationale Club in Baden-Baden als Letzter einer längeren Reihe renommierter Veranstalter von Galopprennen pleite. Der Betrieb soll auf eine neue Basis gestellt werden.

Das versucht gerade auch ein neuer Manager bei Frank Stronachs Magna Entertainment Corporation (MEC). Seit Anfang März ist sie insolvent. Doch Chairman Stronach will weitermachen. "Bedenken Sie, ich bin kontrollierender Aktionär von Magna International. Einige Rennbahnen werden verkauft, einige behalten wir. Ich hoffe noch immer, dass ich die Rennsportgemeinde überzeugen kann, dass wir zusammenstehen müssen" , sagte der 76-Jährige in einem Interview mit dem US-Fachmagazin Blood Horse.

Er habe etliche Male eine Rennsport-Charta vorgeschlagen. Die Pferdeleute, also vor allem die Besitzer und Trainer, müssten ihm nur gestatten, so viel Geld wie möglich zu verdienen. "Die Charta würde besagen, dass ich 50:50 mit ihnen teile. Wir sitzen ja im selben Boot. Die Rennbahnen, die die Show veranstalten, bekommen derzeit sehr wenig." Die Schuld an der Misere gibt Stronach diversen Regulierungen durch Aufsichtsbehörden, die Termine einengten, und einigen seiner Leute, die Schulden gemacht hätten. "Normalerweise habe ich keine Schulden. Meine anderen Firmen haben haufenweise Cash."

Der Berg, die Rosinen

Dagegen türmt sich bei MEC ein Schuldenberg von 958 Millionen Dollar. Resultierend nicht zuletzt aus Stronachs gigantomanischer Expansion. Das erinnert alles irgendwie an die Argumente in der Finanzbranche. Nur glaubt sie dort keiner mehr. Die MEC-Gläubiger, zu denen auch viele prominente Pferdeleute gehören, misstrauen jedenfalls Stronachs Schalmeienklängen. Sie fürchten, dass er sich im Zuge der Sanierung die Rosinen herauspickt.

Eines von Stronachs Geldgräbern, rund 100 Millionen Euro tief, ist das 2004 eröffnete Magna Racino in Ebeichsdorf. Dort beginnt am Ostermontag (14 Uhr) bei freiem Eintritt die neue Saison. Mit Stronachs finanzieller Hilfe plant der Austrian Racehorse Owners Club (Aroc) zwölf Renntage. "Die Saison ist durchfinanziert und stabil" , sagt Isabella Copar, Tierärztin und engagierte Geschäftsführerin des Aroc. Ob und wie es dann weitergeht, will sie frühestens im Sommer abschätzen. Für Galopprennen dürfte das Racino heuer Österreichs einziger Veranstalter bleiben, da in der Freudenau aus Sponsorenmangel kaum ein Renntag zustande kommen wird.

In Ebreichsdorf laufen am ersten Tag 110 Pferden in elf Rennen, davon sechs für Galopper, von denen rund 130 in Österreich im Training sind. Copar möchte diese Zahl aufstocken. "Rennpferde sind günstig wie lange nicht zu kaufen." (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD Printausgabe, Freitag, 10. April 2009)