Der VÖZ appelliert an die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) von weiteren Kampfmaßnahmen abzusehen und umgehend die Verhandlungen fortzusetzen. Protestmaßnahmen der Gewerkschaft führten wie berichtet Mittwochabend zu Verzögerungen bei der Zeitungsauslieferung. "In einer Zeit, in der in den USA jede Woche eine Zeitung zugesperrt wird, für den fortgesetzten Erhalt der Managergehälter der Druckereiarbeiter zu streiken" sei ein "Offenbarungseid des Verantwortungsgefühls der Gewerkschaft", so Horst Pirker, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ).

Die Drucker protestierten Mittwochabend bei Betriebsversammlungen für die Beibehaltung ihrer Gehälter im Rahmen des Kollektivvertrags. Für die Zeit nach Ostern hat die Gewerkschaft sogar einen Streik in Aussicht gestellt, sollten die Arbeitgeber nicht einlenken. Die Gehälter der österreichischen Drucker liegen laut Pirker dank alter Zulagenregelungen zu einem erheblichen Teil jenseits der 100.000 Euro-Marke bei einer 32 Stunden-Woche. Die Arbeitgebervertreter, der Verband Druck & Medientechnik, will den Kollektivvertrag an das deutsche Niveau annähern, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

"Veraltete Zulagenregelungen"

Michael Hochenegg, Präsident des Verbandes Druck & Medientechnik, spricht von vollkommen veralteten Zulagenregelungen, die den Druckern ein Durchschnittshonorar von 70.000 bis 100.000 Euro sichern. Das zu verteidigen sei "Besitzstandswahrung am falschen Platz und macht die Branche kaputt". In Zeiten, "in denen Zeitungen schreckliche Einkommensbußen hinnehmen müssen, haben wir gehofft, dass es seitens der Gewerkschaft ein Einsehen gibt". Man wolle nicht in die Grundlöhne eingreifen, sondern nur jene übertriebenen Zulagen abschaffen, um den Betrieben das Überleben zu sichern.

Vom Stil der Gewerkschaft, den Protestversammlungen und dem angedrohten Streik, ist Hochenegg "sehr enttäuscht". Die Arbeitgeber bleiben dabei, dass sie von den Druckern ein "klares Angebot" erwarten. Der letzte Vorschlag der Gewerkschaft sei das Gegenteil eines Kompromisses, nämlich eine Verteuerung des Kollektivvertrags gewesen, so Hochenegg.

Grünberger: Zeitungen von Krise massiv betroffen

Pirker sieht auch die Arbeitgeberseite in der Verantwortung. "Wir bemühen uns viel zu wenig darum, den hoch bezahlten Mitarbeitern in den Druckereien zu vermitteln, dass der kurzfristige Vorteil schon mittelfristig einen hohen Preis hat: beschleunigte Automatisierung und Rationalisierung. Je abgehobener die Gehälter, umso schneller rechnen sich Investitionen."

VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger betonte in einer Aussendung, dass die Zeitungen von der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krise massiv betroffen sind. "Jede Aktion, die ihre wirtschaftlichen Grundlagen darüber hinaus gefährdet, birgt auch die gefährliche Konsequenz in sich, dass damit die Qualität der Produkte, die Leserzufriedenheit sowie Arbeitsplätze im journalistischen und kaufmännischen Bereich der Zeitungen bedroht werden", so Grünberger. (APA)