Ljubljana/Wien - Die Bawag hat gerichtlich beantragt, den insolventen slowenischen Mischkonzern Istrabenz unter Zwangsverwaltung zu stellen. Damit will die Bawag den Konzern, der der österreichischen Großbank laut slowenischen Medien rund 80 Millionen Euro schuldet, unter gerichtliche Zwangsverwaltung stellen lassen.

Der Istrabenz-Vorstand soll gezwungen werden, die Einleitung eines Ausgleichsverfahrens zu beantragen, wofür das Unternehmen zwei Wochen Zeit hat, schreibt die slowenische Tageszeitung "Dnevnik". Im Gegensatz zum Konkurs könnte man nämlich im Ausgleichsverfahren das Vermögen des Unternehmens scheibchenweise und zu höheren Preisen verkaufen, so die Zeitung. Die Bawag will sich zu dem Thema nicht äußern und beruft sich dabei auf das Bankgeheimnis.

Kaum besichert

Die Forderungen der Bawag seien schlecht bzw. gar nicht besichert, berichten Laibacher Zeitungen am Freitag. Insgesamt sollen 19 Banken um die Rückzahlung ihrer Kredite in Höhe von 930 Mio. Euro an Istrabenz bangen. In den vergangenen Wochen hatten die Bank-Austria-Tochter UniCredit Slovenija Bank, die Hypo Alpe-Adria sowie die slowenischen Banken NLB (Nova Ljubljanska banka) und Probanka ihre Repo-Geschäfte mit Istrabenz gekündigt und waren so an wichtige Finanzanlagen der Holding gekommen. Die NLB soll so an 6 Prozent der Aktien des Ölkonzerns Petrol gekommen sein, die Hypo soll 2 Prozent an Petrol bekommen haben.

Der Vermögenswert von Istrabenz soll sich dadurch um mehr als ein Fünftel verringert haben. Durch die Einleitung des Konkursverfahrens habe die Bawag nun die Möglichkeit, sämtliche Rechtshandlungen der Istrabenz im Laufe des vergangenen Jahres anzufechten, schreibt die slowenische Wirtschaftszeitung "Finance" - also auch diese Repo-Geschäfte. Ende April läuft auch der Repo-Deal mit UniCredit Slovenija für acht Prozent an der Handelskette Mercator aus.

Bawag mit hohen Verlusten

Abseits der Verstrickungen in diesen Gläubiger-Streit ist die fünftgrößte österreichische Bank nicht nur auf Konzernebene in den roten Zahlen, sondern auch im Einzelabschluss. Deshalb war die hauptsächlich dem US-Fonds Cerberus gehörende Bank am Freitag zu einer Pflichtveröffentlichung veranlasst.

Die Bawag P.S.K. werde im Jahresabschluss 2008 nach UGB voraussichtlich "ein negatives Ergebnis vor Rücklagenbewegung ausweisen", hieß es in der Mitteilung. Die Kuponzahlungen von ausstehenden Ergänzungskapitalanleihen der Bawag P.S.K. würden aktuell von der Bawag Holding GmbH geleistet, so die Bank.

Wie hoch die Verluste sind, wollte eine Sprecherin nicht beziffern. Es sei aber geplant, im Einzelabschluss so weit Rücklagen aufzulösen, dass ausgeglichen bilanziert werden könne. Am 22. April will die Bank ihre Ergebnisse bekannt geben. (APA)